In einer Perfektion, pompös und doch künstlerisch, dazu traditionelle Volkstänze – so warten die Franzosen in Lorient in der Bretagne auf.



Es spielt das “Bagad Sonerien An Oriant” aus Lorient, kurz “Bagad de Lorient” auf offener Straße. Unter anderem ist Stéphane Kermabon zu sehen und zu hören, der dieses musikalische Dudelsack-Ensamble mit der Binioù kozh anführt. Anschließend setzen die ersten Binioù Braz, also Great Highland Bagpipes ein. Deutliche Akzente und punktuierte Melodien steuern die Bombarde-Spieler bei. Den Takt führt ein Team von Scottish Snaredrum-Spielern. Auf dem ersten Video ist übrigens auch Yann Kermabon mit Bombarde zu erkennen.

Straßenzug aus Dudelsackspielern
Bagad bro Kemperle (Urheber: Pymouss, Quelle: wikimedia.org, Lizenz: CC BY-SA 3.0)

Zum Teil sind einstudierte Tanzeinlagen zusehen, die von den traditionellen bretonischen Volkstänzen stammen.

Doch wie kommen solche Zusammenkünfte zustande? In Frankreich nennt man diese Art Band aus dem Video “Bagad“. Bagad ist wiederum das bretonische Wort für Gruppe.

Bombarde, Great Highland Bagpipe, Scottish Snare-Drum

Ein Bagad ist ein Ensamble aus traditionell bretonischen Musikern, inspiriert von den schottischen Pipe Bands.  Es besteht aus drei Bereichen, nämlich Bombarde-Spielern, biniou braz-Spielern (Great Highland Bagpipe) und Percussion-Spielern. Je nach Größe des Bagad, kann sich der Percussion-Bereich in zwei Untergruppen aufteilen, einerseits zu traditionellen Trommeln (Scottish Snare, Schlagzeug), andererseits zu nicht-traditionellen Percussioninstrumenten.

Seit Anbeginn der 1990er Jahren entwickelt sich das Können vieler Bagadou (= Mehrzahl von Bagad) in Frankreich auf ein hohes Niveau, das bis zur Pipe Band-Weltmeisterschaft führt, die jedes Jahr in Glasgow in Schottland stattfindet.

Straßenzug aus Dudelsackspielern
Bagad Mouez Ar Mor (Urheber: Larvor, Quelle: wikimedia.org, Lizenz: CC BY-SA 3.0)

Dirigiert wird ein Bagad vom Penn-Soner (wörtlich “Chefglöckner” in bretonisch). Für die drei Untergruppen für Dudelsack, Bombarde und Percussion ist wiederum je ein “Stimmführer” zuständig, die zum Teil auch getrennt zu den übrigen Gruppen mit den Teilnehmern üben.

Die Bagadou spielen bretonische Melodien, darunter bretonische Tanzmelodien.

Sie ließen sich von den Pipe Bands inspirieren, die typischerweise aus schottischen Dudelsackspielern und Percussions zusammengesetzt sind. Hinzu kommen bei den Bagadou die Bombardespieler. Sie ermöglichen dem Ensamble eine große klangliche Vielfalt, wie Frage-Antwort Spiele und weitere Raffinessen. Der viel geringere militärische Stil lassen die Bagadou von ihren Pipe Band-Vorbildern deutlich unterscheiden.

Sehr schön ist auch dieses zweite Video. Es zeigt vordergründig Tänzer, begleitet vom Bagad de Lann-Bihoué.

Gerne wird die Frage diskutiert, ob man bei einem Bagad tatsächlich von traditionell bretonischer Musik sprechen kann, bildeten sich sie ersten Formationen doch erst in der Zeit des zweiten Weltkrieges, womit sie mit dem Alter der bretonischen Tradition kaum vergleichbar sind. Doch lässt sich nicht bestreiten, dass sich die Bagadou-Bewegung durch die Integration von bretonischen Tänzen und Trachten und durch die große Beliebtheit bei Jugend und breitem Publikum, die bretonische Kultur und vor allem die bretonische Musik deutlich wiederbelebt wird. Vitatlität und Offenheit zeichnen die Bagad-Ensambles in Frankreich aus.

Jede größere Region und Stadt in der Bretagne hat sein eigenes Bagad. Insgesamt sind es über 80 Gruppen. Nicht hinzu gezählt sind die Bagadou außerhalb der Bretagne. Auch das Militär hat eigene Bagadou, das bekannteste gehört zur Französischen Marine und heißt Bagad Lann Bihoue.

Das öffentliche Programm der bekannten Bagad-Gruppen wird heute hauptsächlich von Festival-Auftritten (wie auf dem Festival de Lorient), eigenen Konzerten bis hin zu Willkommenskonzerten bei Staatsbesuchen bestimmt.

Dieses letzte Video zeigt wieder den Bagad de Lorient, allerdings ohne Tänze und diesmal als eigenständiges Konzert. Gut zu sehen sind hier nochmal die drei Instrumentengruppen aus Dudelsack, Bombarde und Percussion. Schön zu beobachten sind einzelne Teilnehmer, die öfters ihr Instrument wechseln.

(Quellen: Artikel in der französischen Wikipedia, Artikel in der englischen Wikipedia)

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