Heute erreichte mich “Maxima Preconia”, ein Album der mittelalterlichen Combo “Musica Vulgaris”. Doch was steckt schon hinter solch leicht provokantem Bandnamen? Ich habe mir die Platte angehört und war überrascht.

© 2015 Musica Vulgaris
Musica Vulgaris

Das erste Lied “Al’ entrada del temps clar” kommt recht puristisch daher. Drei Männer mit ausgeprägter Stimme singen leicht italienisch klingende Strophen, recht beschwingt, nur mit Schellenkranz und Trommel im Hintergrund. Es könnte ein Wander- oder ein Tavernenlied sein. Einer singt solo, dann drei zusammen im Chor. Tatsächlich singt das Trio ein traditionelles Stück in okzitanischer Sprache aus dem 12. Jahrhundert.

Sehr schön klingt das nächste Stück, rein instrumental, bestehend aus lieblicher Harfe, Flöte, teils Chalumeau, Percussion, ein bekanntes Stück aus den Cantigas de Santa Maria aus dem 13. Jahrhundert namens “Quen omagen (Cantiga 353)”.

“Bacche, bene venies” wartet mit rhythmischer Sackpfeife und Drehleier auf. Dann folgen Gesänge und Aufrufe, die eindeutig dem Wein zum Wohle gelten, deutlicher noch – Bacchus, dem Gott des Weines und er Fruchtbarkeit. Ja, da fangen die drei Sänger an ihrem Bandnamen “Musica Vulgaris” gerechter zu werden. Sie singen, rufen und feiern in klassischer Manier heutiger “mittelalterlicher” Gaukler und Barden und verbreiten gute Laune.

Nun folgt mit “La rosa enflorece” in traditionell Sefardisch aus dem 15. Jahrhundert eine Geschichte mit orientalisch anmutender Musik und Gesang, jetzt weniger spöttisch sondern eher einladend für eine kleine Traumreise. Sehr schön!

Weitere zwölf Lieder folgen, die bis zum letzten Lied aufs Neue unterhaltsam und sehr liebevoll arrangiert sind. Lieder auf deutsch oder altdeutsch sind dabei, traditionelle Stücke aus Schottland, Frankreich, Tänze aus der Bretagne, Lieder aus dem Mittelalter, gesungen von Detlef Fischbuch, Holger Fischbuch, Frank Kummer und gespielt auf Flöte, Gemshorn, Sackpfeifen (darunter Schäferpfeife, Marktsackpfeife, Hümmelchen, Smallpipe, Great Highland Bagpipe, spanische Gaita), Rauschpfeife, Chalumeau, Posaune, Laute, Drehleier, Cister, Laute, Gitarre, Harfe, Davul, Darbuka, Rahmentrommel, Trumscheid und übriger Percussion.

Fazit: So vulgär sind die gar nicht!

Hervorragende Akustik und mitreißender Gesang, teils schon an ein Hörspiel erinnernd, teils tanzbar doch in jeden Fall schlitzohrig, das ist das Album “Maxima Preconia” von “Musica Vulgaris” aus dem Jahre 2011. Sieht das Album auf den ersten Blick recht unscheinbar aus und ist das Inlay recht einfach gestaltet und mit Fotos versehen, auf denen die Jungs in mittelalterlichen Gewändern ihre Faxen machen ist das Album für Folkliebhaber, Träumer und Fans von Mittelaltermärkten sehr zu empfehlen!

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