grüne Hügel mit einem echten Schotten drauf

Stell dir eine schottische Landschaft mit grünen Hügeln und einem echten Schotten darauf vor. Er trägt einen karierten Schottenrock und einen Hut – wie es sich gehört. Am wichtigsten ist jedoch der Gegenstand, den er auf dem Arm hält. Das etwas befremdlich aussehende Instrument nennt sich Dudelsack und jedes Kind assoziiert ihn mit dem Land Schottland. Doch überall auf der Welt hat es einen anderen Namen: Sackpfeife, Bockpfeife, Great Highland Pipe, Gaida, Bock, Sackpfiff, Schaleika, Säckpipa oder Cabrette, um nur einige zu nennen. Jede Region hat seine eigene Geschichte zum Dudelsack. Was wissen wir eigentlich über das eigenartige Holzblasinstrument, außer dass wir sofort an Schottland denken müssen? Wo ist die Herkunft des Dudelsacks wirklich, wie wird ein Ton erzeugt und wie wird man ein Dudelsackspieler?

Herkunft des Dudelsacks – wirklich in Schottland?

Griechischer Schäfer spielt die Gaida (Quelle: Mediawiki)

Das Wort Dudelsack lässt sich aus dem Türkischen „duduk“ herleiten, was übersetzt Flöte bedeutet. Entgegen der Annahmen vieler Menschen liegt der Ursprung des Dudelsacks nicht wirklich in Schottland, sondern vermutlich in Asien. Ganz sicher lässt sich das nicht sagen, da die ältesten historischen Quellen meist viel Interpretationsspielraum lassen. Der vermutlich erste Dudelsack der Welt bestand aus einer einfachen Rohrblattflöte und wurde aus dem alten Ägypten und dem früheren Mesopotamien gefunden. Wann der Luftsack dem Instrument zugefügt wurde, ist unklar.

Ein aus der Antike stammendes, hethitisches Relief aus Alaca Höyük in der türkischen Provinz Corum zeigt erstmals einen Sackpfeife – inklusive Luftsack. Aus der Zeit vor 1200 v.Chr. stammend, ist es die wahrscheinlich älteste Darstellung des Instrumentes. Auch anhand weiterer Reliefs oder literarischer Stücke lässt sich der Ursprung des Dudelsacks in Asien vermuten. Während sich das Instrument in der Antike bereits im ganzen Mittelmeerraum wiederfand, verbreiteten es die Römer in ganz Europa. In vielen Ländern Europas stellt der Dudelsack bis heute einen Teil der Kultur dar. Primär in keltisch geprägten Gegenden übte er einen starken Einfluss auf die Musik aus. Ganz besonders in Schottland, wo die Sackpfeife sogar zum Nationalinstrument ernannt wurde.

Dass das gewöhnungsbedürftige Instrument die schottische Geschichte überdauerte, hat vor allem einen Grund. Nach der Schlacht von „Culloden“ wurde das Tragen der schottischen Tracht und das Ausüben vieler schottischer Bräuche verboten. Das Spielen des Dudelsacks blieb den Schotten jedoch erhalten und ermöglichte ihnen, sich mit wenigstens einer Sache national identifizieren zu können. Heute kennt die ganze Welt den schottischen Dudelsack oder auch die „Great Highland Bagpipe“, wofür die britische Militärmusik verantwortlich ist.

Aufbau des Dudelsacks

Die German Smallpipe in Einzelteilen: (1) Sack/Balg; (2) Chanter/Spielpfeife; (3) Windkapsel; (4) Reed/Rohrblatt; (5) Chanter Stock; (6) Wechselstockeinsatz; (7) Blowpipe Stock; (8) Rückschlagventil; (9) Blowpipe/Anblasrohr; (10) Bordun Stock; (11) Drone Reed; (12) Drone Joint; (13) Drone Top

Die Sackpfeife ist ein unterbrechungsfreies Aerophon-Instrument oder auch ein Rohrblattinstrument. Um sie zu spielen, muss als erstes der Luftsack mit Luft gefüllt werden. Dies kann auf verschiedene Weisen geschehen, beispielsweise über einen Blasebalg oder eine Anblasrohr für den Mund. Nutzt der Piper einen Blasebalg, kann er zu seinem Spiel sogar singen.

Ein Rückschlagventil verhindert, dass die Luft wieder zurückgeht. Um Töne zu erzeugen, drückt der Spieler den Luftsack mit den Armen oder dem Körper zusammen, wodurch ein gleichmäßiger Luftdruck entsteht. Ein oder mehrere Bordunpfeifen, die sich meist oben am Luftsack befinden und oft auf der Schulter des Spielers liegen, produzieren deshalb einen konstanten Dauerton. Dieser Bordunton, der wie ein Orgelpunkt während des ganzen Spielens erklingt, ist charakteristisch für den einzigartigen Klang der Bockpfeife.

Funktionsweise

Schema der schottischen Hochland-Sackpfeife

Die bekannte Mehrstimmigkeit des Dudelsacks wird über die Melodie erreicht. Diese wird wie auf einer normalen Flöte auf einer Spielpfeife gespielt. Die sechs bis acht Grifflöcher am Spielrohr bestimmen die Tonhöhe. Um Akzente zu setzen und die Töne einer Melodie voneinander abzugrenzen, muss der Spieler zahlreiche Ziernoten (Gracenotes), ähnlich wie Vorschläge spielen. Das erfordert Konzentration und Koordination, da die Finger zeitlich exakt gesetzt werden müssen.

Der Dauerton entsteht durch ein Einfachrohrblatt in den Bordunpfeifen aus Schilf, Kunststoff oder Metall, das durch den Luftstrom zum Schwingen gebracht wird. In der Spielpfeife ist in der regel ein Doppelrohrblatt (Reed) vorhanden. Ein solches Rohrblatt kann mit dem einer Oboe verglichen werden. Der Luftsack bestand früher oft aus Leder, ist aber heutzutage gern auch aus Synthetik. Viele Spieler entscheiden sich beim schottischen Dudelsack für einen dekorativen Überzug.

Die musikalische Besonderheit und Erschwernis beim Spielen ist, dass die spielbaren Tonarten bei vielen Dudelsacktypen eingeschränkt sind. Auch Chromatik ist oft nicht spielbar. Da die meisten Dudelsäcke diatonisch gestimmt sind, können tonartfremde Töne nur begrenzt gespielt werden. Das ist einer der Gründe, wieso das Spielen der Sackpfeife ein hohes Maß an Können erfordert. Hinzu kommt, dass der Spieler ein großes Lungenvolumen besitzen muss. Deshalb rät sich als Anfänger, nicht sofort einen Dudelsack zu kaufen, sondern erst an einer Musikschule Unterricht zu nehmen. Dort können Musiker auf einem Trainingsdudelsack spielen, oder einen Dudelsack leihen.

Typen und Verbreitung des Dudelsacks

Etwas mehr als ein Jahrtausend nach dem römischen Reich entwickelten sich im Spätbarock zahlreiche regionale Arten von Sackpfeifen. Sie unterschieden sich je nach Ort, Epoche und Geschmack des Bauers. In der heutigen Zeit gibt es europaweit ungefähr 180 verschiedene Sackpfeifenformen. Der Moderne angepasst gibt es sogar elektrische Dudelsäcke, die über MIDI an einen Computer oder Verstärker angeschlossen werden können.

Doch wollen wir zuerst einmal wieder in die Epoche des Mittelalters und der frühen Neuzeit gehen. Dort blühte der Dudelsack als Volks- und Hirteninstrument auf und war aus dem Musikgeschehen nicht wegzudenken. Später im Barock brachte die regionale Ausprägung des Dudelsackes als bekanntestes Instrument die Musette de Cour in Frankreich hervor. Außerdem nennenswerte Typen, die aus dieser Entwicklung hervorgingen, sind der böhmische Bock, die Zampogna aus Italien und die Gaida aus Bulgarien.

In Mitteleuropa werden heute noch Nachbauten historischer Stücke gebaut, um mittelalterliche Musik nachzustellen. Auch in Nord- und Nordosteuropa, Österreich, Süddeutschland, Indien und im Iran hat der Dudelsack Tradition. Gerade in Indien, das als Entstehungsland des Instruments vermutet wird, ist das Spielen der sogenannten „mashak“ oder „titti“ ein kultureller Brauch auf Hochzeiten. Bedauerlicherweise wurden diese beiden Formen der Sackpfeife auch in Indien durch die Great Highland Bagpipe aus Schottland in den Hintergrund gedrängt.

Vier Arten der Sackpfeife im Visier

Mindestens 45 Regionen auf der Erde mit jeweils eigenen Formen der Sackpfeife sind bekannt. Um einen Eindruck der Artenvielfalt an Dudelsäcken zu erhalten, nehmen wir davon jeweils nur zwei bekanntere Sackpfeifen aus Schottland und Zentraleuropa in den Fokus.

Schottischer Klassiker – die Great Higland Bagpipe

Die wohl bekannteste Bockpfeife ist die Great Highland Bagpipe. Bei ihr kommen sofort schottische Landschaften und schottische Hochland-Kleidung-tragende Männer in den Sinn. Ursprünglich war sie ein populäres Volksinstrument, ab dem 19. Jahrhundert jedoch, wurde sie vorwiegend mit Militärmusik in Verbindung gebracht. Ab den 80er Jahren gewann die meist aus Grenadil hergestellte Great Highland Bagpipe auch in Deutschland an Bedeutung. Es bildeten sich schottische Bands und Gruppen, die teilweise bis heute erhalten sind. Die Great Highland Bagpipe besteht aus zwei Tenorbordunpfeifen, einer Bassbordunpfeife und einer Spielpfeife mit neun Tönen. Obwohl der Dudelsack klingend in b‘ gestimmt ist, wird die Vielzahl der Musik traditionell in A notiert, sodass der Spieler transponieren muss. Der Dudelsack erklingt somit einen Halbton höher als notiert.

Die kleine Schwester – die Scottish Smallpipe

Wer von der eher lauteren Great Highland Bagpipe auf eine leisere Version umsteigen möchte, ist mit der Scottish Smallpipe gut bedient. Wegen ihres weichen und warmen Klangs ist sie hervorragend zum Spielen in Innenräumen geeignet. Auch im Zusammenspiel mit anderen Instrumenten kann sie punkten. Ihre Vielseitigkeit zeigt sich nicht nur darin, dass sie sowohl mundgeblasen, als auch mit Blasebalg gespielt werden kann, sondern auch in ihrer Stimmung. Es sind verschiedene Grundtöne von A bis D möglich. Der Wechsel von einer Great Highland Pipe auf eine Scottish Smallpipe ist unkompliziert, da die Griffweise und Verzierungstechnik gleich ist.

Großer Tonumfang – die Schäferpfeife

Ein ursprünglich deutsches Volksinstrument ist die Schäferpfeife, die vor allem für Tanzmusik genutzt wird. Sie ist etwas lauter als die Scottish Smallpipe, aber hat trotzdem nur eine mittlere Lautstärke. Die heutige Bauweise ist an der flämischen Sackpfeife angelehnt. Da einige Töne überblasen werden können, hat das Instrument einen großen Tonumfang, in dem fast alle Halbtöne spielbar sind. Außerdem besitzt die Schäferpfeife ebenso wie die flämische Sackpfeife eine gute Stabilität und den eben genannten großen Ambitus. Oft wird die Schäferpfeife mit Drehleihern, Geigen oder anderen Volksinstrumenten zusammen gespielt.

Die französische Cabrette

Ende des 19. Jahrhunderts bis Anfang des 20. Jahrhunderts gelangte die Cabrette nach Paris. Auf Tanzveranstaltungen spielte man sie dort meistens zusammen mit einem Akkordeon. Die Art der Sackpfeife besteht lediglich aus einem Blasebalg und einer Spielpfeife, die mit einer einzelnen Bordunpfeife verbunden ist. Teilweise kommt es sogar vor, dass Zierbordune angebracht sind, die jedoch keine Funktion haben. Anfangs war die Cabrette noch ein mundgeblasenes Instrument, später dann mit einem Blasebalg ausgestattet. Dies soll dem Zimmermann Joseph Faure verschuldet sein. Er verwendete erstmals einen Blasebalg, da er an einer Lungenkrankheit litt.

Verwandte Instrumente

eine Drehleier als Beispiel für ein verwandtes Borduninstrument

Der Klang des Dudelsacks findet sich wohl bei keinem Instrument wieder. Die Tonerzeugung oder Spielweise ist jedoch nicht einzigartig. Das Spielen mit einem Blasebalg kennen wir beispielsweise von der Orgel und dem Akkordeon. Statt eines Luftsackes besitzt das Platerspiel eine Tierblase als Luftbehälter. Andere Borduninstrumente sind die Drehleier, Bordunzither und Doppelflöten. Das Krummhorn und die Rauschpfeife sind ebenfalls Windkapselinstrumente.

Der Dudelsack – ein vielseitiges und unverwechselbares Instrument

Nachdem das Instrument in Deutschland im 19. Jahrhundert außer Gebrauch kam, erlebte es in den letzten Jahrzehnten eine Wiederbelebung. Kein Wunder, bei diesem wunderbaren Instrument. Sowohl alleine, als auch mit anderen Instrumenten zusammen, klingt er fabelhaft. Seine Klänge lassen uns in die Welt der Schotten eintauchen und von grünen Hügellandschaften träumen. Doch nun wissen wir auch, wo die Herkunft des Dudelsacks wirklich ist.

Der Dudelsack ist ein Instrument, für dessen charakteristische Mehrstimmigkeit sich der Lernaufwand lohnt, denn nicht jeder kann Dudelsack spielen.

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