Zwar hatte ich mich im letzten Beitrag über die Musikmesse 2016 beschwert, doch der Besuch von Hans Eckert, seines Zeichens Zupfinstrumentenmacher aus Mühltal bei Darmstadt hat sich auch dieses Jahr wieder gelohnt.

Denn Hans ist kein gewöhnlicher Gitarrenbauer. “Ich mag es sehr gerne mit verschiedenen Instrumententypen zu experimentieren um zu verstehen, wie sie funktionieren”, erklärt Hans als junger Instrumentenbauer, der dieses Jahr auf der internationalen Musikmesse in Frankfurt am Main das erste mal seine eigenen Instrumente ausstellt.

Traditionelle Folk Instrumente von Hans Eckert auf der Musikmesse 2016
Traditionelle Folk Instrumente von Hans Eckert auf der Musikmesse 2016

Und in der Tat, es ist keine klassische Konzertgitarre darunter. Sondern hochwertig gefertigte Saiteninstrumente wie eine irische Bouzouki, eine Mandoline und ein Tenorbanjo.

Also bist Du ein Instrumentenbauer, der nicht klassische Gitarren fertigt, sondern eher Individualanfertigungen baut und experimentiert?

“Ja, ich gehe natürlich sehr gerne auf Sonderwünsche ein. Ich habe während meiner Lehre zum Gitarrenbauer in Mittenwald auf der Geigenbauschule vier klassische Gitarren gebaut. Doch danach erst habe ich begonnen Instrumente zu bauen, die mich wirklich interessiert haben.”

Welche Instrumente baust Du am liebsten?

“Seit November bin ich mit meinem Prototyp, einer Mandoline fertig. Zuvor hatte ich eine Bluegrass-Mandoline im F5-Style nach Gibson gebaut. Doch für die irische Musik wollte ich mehr Volumen und einen satteren Ton mit schöneren Bässen. Ich habe bei meinem Prototyp die Mensur etwas verlängert und mit breiterem Griffbrett ausgestattet und sie mir so gebaut, wie ich sie mir gewünscht habe. Ich wollte mehr Platz auf dem Griffbrett. Und für einen besseren Ton wollte ich keine Floating-Bridge mehr, sondern einen festen Steg auf der Decke mit Bridgepins zum Einhängen der Saiten. Das, sowie ein größerer Korpus sorgen für mehr Fülle, einfach mehr Wumms!

Hans Eckert mit selbst entworfener Mandoline aus Tropenhölzern
Hans Eckert mit selbst entworfener Mandoline aus Tropenhölzern

Nach diesem Prototyp habe ich eine Serie von drei weiteren Mandolinen aus verschiedenen Hölzern gebaut. Eine aus afrikanischem Bubinga, eine in ostindischem Palisander und eine aus ausschließlich nicht tropischen Hölzern, wie Eibe, Nussbaum und Ahorn. Eine Auswahl an europäischen Hölzern, die beweisen, dass es die tropischen Hölzer nicht ausmachen. Im Blindtest zeigt sich, dass die Tropenhölzer nicht unbedingt besser klingen. Sie sind aber für die meisten rein optisch ansprechender.”

Seit wann baust Du Gitarren?

“Mit meiner Schreinerlehre war ich 2005 fertig. Danach ging ich nach Mittenwald auf die Geigenbauschule für weitere drei Jahre. 2009 war ich fertig. Dann habe ich begonnen meine eigene Werkstatt einzurichten. Zeitgleich arbeitete ich 5 Jahre bei einem Restaurator für antike Möbel wo ich ebenfalls viel lernen konnte. Zwei Wochen im Monat arbeitete ich für ihn, und zwei für mich um mir Stück für Stück meine Selbstständigkeit aufzubauen. 2015 habe ich endlich den Schritt gemacht und mich getraut Vollzeit als Instrumentenbauer zu arbeiten. Seit 2012 arbeite ich auch regelmäßig freiberuflich für die Firma RISA, baue Tonabnehmer ein und repariere bei Bedarf die Ukulelen.”

Mandoline mit "pinbridge" anstelle eines verschiebbaren Steges mit Saitenhalter
Mandoline mit “pinbridge” anstelle eines verschiebbaren Steges mit Saitenhalter

Als Gitarrenbauer, der viel lieber Saiteninstrumente weiterentwickelt und besondere Kundenwünsche erfüllt als klassische Gitarren zu bauen, präsentierst Du uns heute einen echten Hingucker!

Publikumsmagnet auf der Musikmesse: eine Kontrabass-Ukulele
Publikumsmagnet auf der Musikmesse: eine Kontrabass-Ukulele

“Die Upright-Uke, ich nenne es mal so, ist ein Mini-Kontrabass mit PU-Saiten der vor wenigen Tagen erst fertig geworden ist – pünktlich auf die Minute für die Musikmesse.”

Was inspirierte Dich zu diesem Instrument? Wie bist Du auf die Idee gekommen?

“Die Idee kommt von Rigk Sauer von RISA Musical Instruments. Er wollte, den Ukulelen-Bass in Gitarrenform, den es schon etwas länger im RISA Katalog gibt, als akustischen Bass einfach ein bisschen edler darstellen, eben in der typischen Gambenform eines Kontrabass, die aufrecht gespielt werden kann.”

Kann man diesen Kontrabass im Ukulelenformat tatsächlich stehend spielen?

“Der Sporn, also der Stachel müsste ziemlich lang sein. Man könnte es natürlich auch umschnallen. Aber meine bevorzugte Spielweise ist aufrecht, sitzend auf, bzw. zwischen den Beinen, um wie ein Kontrabass darauf zu spielen. Einige Leute auf der Messe haben das Instrument alternativ einfach so auf dem Arm gehabt und gespielt.”

Toller Sound! Die Kontrabass-Ukulele ist gerade elektrisch verstärkt. Kann man die auch rein akustisch spielen?

“Ja, geht schon. Aber der kleine Korpus bringt eben nicht viel Lautstärke zustande. Rein akustisch ist es nicht mit einem großen Kontrabass zu vergleichen. Man muss auf jedenfall verstärkt spielen um mit lauteren Instrumenten mithalten zu können.”

Sehr schön. Und heute bist Du mit RISA Instruments gemeinsam auf der Musikmesse?

“Genau ich helfe bei der Standbetreuung. Das ist mein drittes Jahr mit RISA auf der Messe in Frankfurt. Und diesmal kann ich nun auch meine eigenen Instrumente ausstellen. Das finde ich grandios.”

Begeisterter Besucher spielt die Kontrabass-Ukulele
Begeisterter Besucher spielt die Kontrabass-Ukulele

Wie ist die Resonanz bisher für Deinen Instrumentenbau?

“Es gab hier schon ein paar Interessenten, aber noch keine konkreten Aufträge. Ich hoffe, das ändert sich noch bis zum Ende der Messe. Und wir müssen überlegen, was wir mit dem Mini-Ukulelen-Kontrabass in Zukunft anstellen. Die Messe eignet sich hervorragend um verschiedene Komponenten wie z.B. Tonabnehmer auszutesten. Die Anbieter sind ja vor Ort.”

Also prüft ihr, ob euer Prototyp in Zukunft in Serie gebaut werden kann?

“Genau.Wir experimentieren noch mit verschiedenen Komponenten wie z.B. auch Saiten.”

Alles klar, dann drücke ich euch die Daumen und weiterhin viel Erfolg auf der Musikmesse.

Weitere Infos über Hans Eckert’s Gitarrenbau unter www.heckertguitars.de

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