Die international aktive diatonische Akkordeonistin und Komponistin Anne Niepold legte im vergangenen Jahr ein neues Album in Triobesetzung auf. Die drei Musiker beweisen in allen Tracks hohe Stilsicherheit in französischem Chanson, Walzer, Tango und Cover-Versionen bekannter Songs. Es ist äußerst sensibel musiziert und vor dem gesamten Album Review sei bereits verraten: Die CD ist einem stimmungsvollen Live-Konzert sehr ähnlich.

Eigenkompositionen und Cover-Versionen

Nach dem Release-Konzert von Niepolds neuem Album „Vita Brevis“ am 8. November 2019 in der Oper Halle wurden wir auf das neue Album aufmerksam. Nach knapp 20 CD-Produktionen seit dem Jahr 2000 ist dieses Album ein weiteres Highlight. Es besteht zur einen Hälfte aus Eigenkompositionen, zur anderen Hälfte aus Arrangements und Cover-Versionen von teils bekanntem und teils unbekanntem Songrepertoire. Die Kompositionen Niepolds sind sehr abwechslungsreich und bewegen sich im Crossover-Bereich zwischen Jazz, Tanzmusik und französischem Chanson.

Drei hervorragende Musiker

Die Akkordeonistin und Komponistin Anne Niepold studierte Jazz am Conservatoire Royal de Bruxelles und tritt regelmäßig solistisch und mit verschiedenen Formationen im In- u. Ausland auf. Sie spielte ihr neues Album mit zwei ebenso feinen und talentierten Musikern ein. Der belgische Kontrabassist Hendrik Vanattenhoven ist ein Experte für Jazz und kubanische Musik und wirkt ebenfalls als Komponist. Étienne Plumer studierte zuerst Trompete, Philosophie, Improvisation und Kammermusik, bevor er seine Passion als Schlagzeuger entdeckte. Auch er komponiert, jedoch nach Auskunft des Labels Igloo Records hauptsächlich Filmmusik.

Anne Niepolds beeindruckende CD-Historie

Ihr erstes Album spielte Niepold im Alter von 17 Jahren mit ihrem Akkordeon-Duo „Deux Accords diront“ ein. Eigene Solo-Alben folgten im Jahr 2012 („Terrain vague“) und im Jahr 2014 mit dem Titel „Musette is not dead“. Neben der Mitwirkung an einigen anderen CD-Produktionen ist „Vita Brevis“ ihr erstes Album seit gut fünf Jahren. Erstmals nahm Niepold ein Album analog auf und die Tracks wurden analog gemixt. Somit entsteht beim Hören der CD ein seltener originaler Klang, bei dem ich oft den Eindruck hatte, dass die Band direkt neben mir live musiziert.

Französisches und träumerisches Flair

Cover des Albums "Vita Brevis" von Anne Niepold
Album „Vita Brevis“ von Anne Niepold

„Vita Brevis“ besteht aus einigen Trio-Nummern und mehreren Solo-Tracks für Akkordeon. Die Sätze sind sehr fein gestaltet und äußerst sensibel musiziert. Niepold musiziert transparent und setzt den vollen Akkordeonklang gezielt und wirkungsvoll ein. Das Zusammenspiel der drei Musiker ist hervorragend und sehr gut aufeinander abgestimmt. Trotz des charakteristischen Akkordeonklangs ist diese CD durch die geschmackvolle Auswahl und Anordnung der Tracks abwechslungsreich gestaltet. Bei „Passion“ und „Convoitise“ versprüht träumerische Akkordeonmusik französisches Flair und ich fühle mich in ein Pariser Café am Seine-Ufer versetzt.

Tanznummern und eine Überraschung mit Niepold

Neben volkstümlichen Melodien spielt Niepold auch Tanznummern, wie beispielsweise den stilvollen Tango „Quien sera“ als Solostück für Akkordeon oder den melancholischen Walzer „Valse à éa“ mit sonoren Bässen auf ihrem Instrument. Wie auch in der Schlussnummer „Goodbye“ setzt sie immer wieder kurze Stille als Stilmittel ein, um Melancholie und Sensibilität musikalisch hervorzuheben. Hendrik Vanattenhoven, der die Akkordeonmelodie am Kontrabass hin und wieder doppelt, um einen volkstümlichen Klang zu erreichen, spielt im launischen Trio „Nyctalope“ ein schönes Bass-Solo mit tollem Sound. Zum Ende sei noch „Over the Rainbow“ erwähnt, bei dem Niepold zum Mikrofon greift und selbst singt. Dieser Überraschungseffekt gelingt ihr mühelos und Étienne Plumer trägt mit dramatischen Schlagzeugfarben zu einer besonderen Cover-Version bei.

Annes Philosophische und tiefgründige Gedanken

In einem Gespräch erzählte uns Niepold mehr über „Vita Brevis“ und ihre philosophischen Gedanken über Musik. Sie fühlt sich in verschiedenen Stilrichtungen wie Weltmusik oder Jazz zuhause und möchte nach Lust und Laune musizieren, ohne in Schubladen gesteckt zu werden. Diese Musizierfreude wird beim Hören des Albums deutlich und steckt den Zuhörer jederzeit an. Niepold verweist auf den Titel der CD, der die lange Suche nach der wahren Kunst verdeutlichen soll, wofür das Leben zu kurz ist. Ihr Konzept „carpe diem“ – der Moment selbst – passt somit perfekt zur Aufnahme in analoger Technik, bei der viele Schnitte und klangliche Änderungen nicht möglich sind.

Live-Konzerte mit Anne Niepold in ganz Europa

Wenn Du nach dem Hören des Albums, das ein Live-Erlebnis suggeriert, Lust auf ein echtes Konzert mit Anne Niepold hast, gibt es zahlreiche Auftritte in ganz Europa in den nächsten Monaten. Komme am 13.03. nach Wien (Österreich), am 24.03. nach Stockholm (Schweden), am 08.05. nach Liège (Belgien), am 10.05. nach Nijmegen (Niederlande), am 26.05. nach Thionville (Frankreich), oder finde viele andere Konzertdaten auf Niepolds Website.

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