Stell Dir vor, Du betrittst eine heruntergekommene Musikkneipe. Es herrscht ein großes Gedränge. Es ist unglaublich laut. Der Boden klebt von verschütteter Flüssigkeit. Kellner balancieren Tabletts durch die Menge. In den Gläsern auf den Tischen schwappt das Bier. Auf der kleinen Bühne steht eine Band, in der zu viele Leute spielen, als dass dort genügend Raum für alle wäre. Der Bassist trifft den Sänger mit der Mechanik am Kopf. Der Banjo-Spieler reißt den Beckenständer des Schlagzeugers um. Die Stimmung ist ausgelassen. Plötzlich schreit der ganze Saal. Was ist passiert? Alles in Ordnung – sie singen nur. Das ist der Refrain.

So hätte es normalerweise ausgesehen, wenn The Feelgood McLouds ihr neues Album „Life on a Ferris Wheel“ am 8. Mai bei Wolverine Records herausbringen. Für den Augenblick macht uns das Virus einen Strich durch die Rechnung. Die schlecht gespülten Gläser dieser Musikkneipe wären eine ernste Gefahr. Zum Glück ist es erlaubt, eine Silberscheibe in den CD-Player zu schieben. Ein kühles Bier findet sich im Kühlschrank. Und schon geht es los mit der Album Kritik.

Sechs New-Dubliners

The Feelgood McLouds machen Celtic-Punk. Die sechs Saarländer beschreiben sich als eine jüngere Ausgabe der Dubliners, wenn sie vom Punk beeinflusst wären. Die Musiker bestehen allerdings darauf, dass sie trinkfester als die Dubliners sind. Nach dem Debüt von 2017 ist „Life on a Ferris Wheel“ das zweite Album der Band.

Album "Life on a Ferris Wheel" von The Feelgood McLouds
Album „Life on a Ferris Wheel“ von The Feelgood McLouds auf Amazon.de

Es sind neben Gitarre, Bass und Schlagzeug häufig Banjo, Akkordeon, Tin Whistle und Dudelsack zu hören. Banjo und Akkordeon gab es beim ersten Album noch nicht. Auf „Life on a Ferris Wheel“ klingt zudem alles ein wenig ausgefeilter und abgehangener. Die Bandbreite der Einflüsse hat zugenommen. So ist „Lovers and Friends“ über weite Strecken eine Ska-Nummer. Bei „Off the Rails“ hört man ein Banjo, das ein Bluegrass-Thema spielt. Mit „In our Pup“ gibt es auf diesem Album sogar ein beinah ruhiges Lied.

The Feelgood McLouds haben ihre Möglichkeiten erweitert. Sie beginnen, mit dem Genre zu spielen. Als Celtic-Punk-Fan kannst Du trotzdem gelassen bleiben. Die Energie des Punks ist immer zu spüren und es tauchen beständig Themen aus der keltischen Folklore auf. Zudem gibt es in jedem Lied einen grölenden Männerchor! Beim Hören von „Life on a Ferris Wheel“ wirst Du bestimmt des Öfteren an The Pogues denken. An den Übervätern des Genres müssen sich The Feelgood McLouds messen lassen. In den Texten der Band geht es meist ums Feiern und Trinken. Manchmal sprechen die Musiker auch ernstere Themen an. In „Spineless Mass“ rufen sie sogar zum Aufstand auf.

Keltische Saarländer

Wenn Musiker ein Genre spielen, das mit einem bestimmten Ort oder einer konkreten Landschaft verbunden ist, stellt sich die Frage nach der Heimat dieser Musiker. Kann jemand, der im Saarland aufgewachsen ist, mit den Traditionen der irischen und schottischen Folklore umgehen?

Die Frage nach der Authentizität ist berechtigt, sie scheint mir aber ein wenig akademisch sein. Wir würden einen Country-Sänger aus New York nicht ablehnen, weil er nicht in den Appalachen geboren wurde. Wir würden einer japanischen Violinistin nicht das Gefühl für die Wiener Klassik absprechen.

In erster Linie höre ich bei The Feelgood McLouds die Freude an der Musik. Was die Musiker auf „Life on a Ferris Wheel“ abliefern ist echt. Sie schreiben ihre Lieder selbst. Sie hauen auf ihre Instrumente ein. Sie schwitzen. Sie grinsen. Ich hätte nichts dagegen, wenn beim nächsten Album Alphörner zum Einsatz kämen. Vielleicht wäre eine Mariachi-Trompete noch besser. Die Band könnte etwas ganz Verrücktes tun und ein Lied in einem saarländischen Dialekt singen.

Zurück auf die Bühne

Das eingangs beschriebene Konzert in der heruntergekommenen Musikkneipe wird es erst mal nicht geben. Du wirst aber viel Freude haben, wenn „Life on a Ferris Wheel“ aus Deinen Boxen dröhnt. Und schau Dir gleich nach dem Lesen der Album Kritik das Video zu dem Song „Moonshiners“ an. The Feelgood McLouds werden auf die Bühne zurückkehren. Die Musik der Band gehört auf die Bühne. Alle singen mit! Dann gibt es noch ein Bier.


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