{"id":1251,"date":"2016-01-15T11:31:21","date_gmt":"2016-01-15T10:31:21","guid":{"rendered":"https:\/\/worldoffolk.wordpress.com\/?p=1251"},"modified":"2017-11-29T22:54:36","modified_gmt":"2017-11-29T22:54:36","slug":"deutsche-laute-zur-deutschen-laute","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/folk.world\/de\/blog\/2016\/01\/15\/deutsche-laute-zur-deutschen-laute\/","title":{"rendered":"Deutsche Laute zur deutschen Laute"},"content":{"rendered":"<p>Ich bin Folkmusiker seit 1965 und habe seitdem einen kurvenreichen Entwicklungsweg zur\u00fcckgelegt.<br \/>\n<!--more--><br \/>\nMeine Stationen in Stichworten:<br \/>\nDylan, Rolling Stones, Lightnin&#8217; Hopkins, John Mayall, S\u00e9amus Ennis, 5-string Banjo, Wie sch\u00f6n bl\u00fcht uns der Maien, 30 Jahre Konzertgitarrenlehrer in der Musikschule, O&#8217;Carolan auf Gitarre, 30 Jahre Uilleann pipes bis zum Diplom, irischsprachige Lieder, Hardangerfiedel, andere Instrumente&#8230;<\/p>\n<p>Und nach all diesen vielen mehr oder weniger tiefen Einsichten in die europ\u00e4ischen und davon abgeleiteten Musiktraditionen und vielen wahrhaft begl\u00fcckenden Erlebnissen mit ihren Instrumenten, Liedern und Melodien in Konzerten und auch Unterricht blieb immer das Gef\u00fchl:<\/p>\n<p>Ich muss zusehen, dass wir mit unseren eigenen Liedern, in unserer eigenen Sprache, von denen ich sicher bin, dass sie mit diesen Traditionen qualitativ gleichziehen, ins Reine kommen sollten, sonst entgeht uns etwas unvergleichliches. Und wie stehen wir vor den Vertretern der anderen Regionen da, mit ihrem Flamenco, Klezmer, sean-n\u00f3s, Piping, &#8230;?<\/p>\n<div class=\"ytp-html5-clipboard\">[youtube https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=ladf_KCRpGU]<\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Genau das habe ich ja in den 1970ern, solo und auch mit J\u00fcrgen Sch\u00f6ntges, schon einmal gemacht: Alte Lieder aus den B\u00fcchern herauserweckt, auf die B\u00fchnen gebracht und mit Stil und Instrumentarium der Nachbartraditionen neu interpretiert. Das war dann der &#8220;Deutschfolk&#8221;, und ich war mit Hannes Wader, Fiedel Michel, Moin und vielen anderen in guter Gesellschaft und gut im Gesch\u00e4ft. Dann war 1980 das Gesch\u00e4ft quasi \u00fcber Nacht zu Ende, dieses Genre war nicht zu einer neuen Tradition geworden, sondern zu einer \u00fcberholten Modeerscheinung. Daraufhin wollte ich wenigstens eine lebende Tradition konsequent durchdringen und machte mich \u00fcber die Uilleann Pipes her. Sie haben mir beredt erz\u00e4hlt (und werden es immer weiter tun, unendliches kann ich da noch lernen), wie sich eine vitale, kreative, gleich stark in Geschichte wie in Moderne wirkende traditionelle, dabei hoch kunstsinnige Musik anf\u00fchlt, die zwar auch mit nationalem Selbstbewusstsein verbunden ist, aber \u00fcber Verblendung weit erhaben ist.<\/p>\n<div class=\"ytp-html5-clipboard\">[youtube https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=SWJlMj95HG8&amp;amp]<\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Oft habe ich mich gefragt, ob ich nicht konsequent h\u00e4tte bei den deutschen Liedern bleiben sollen. Immer kam ich zu dem Schluss: Nein, es h\u00e4tte nicht die Begegnung gegeben mit den ausgefeilten Verzierungstechniken, dem Ozean von tausenden herrlichen Tunes, der hohen Dichtung des sean-n\u00f3s, der Empfindungstiefe der slow airs, den grazi\u00f6sen Kompositionen O`Carolans. Sie haben mir den Standard gesetzt f\u00fcr den Fall, dass ich doch noch einmal die eigenen Lieder und ihr Potential aufgreifen w\u00fcrde. Und in meinem Umfeld (zu dem die Alpenl\u00e4nder nicht geh\u00f6ren) finde ich nichts dergleichen. Die wenigen Tanzmelodien haben fast alle lediglich BiBaButzemann &#8211; Qualit\u00e4t. Lediglich die guten alten Lieder aus den 1970ern blieben als verhei\u00dfungsvolle Erinnerung im Ged\u00e4chtnis.<\/p>\n<p>Ich hatte zwischendurch immer noch einmal Phasen, wo ich es mit ihnen noch einmal versucht habe: In der Musikschule mit der Band &#8220;Cherry Alley&#8221;, denen ich deutsche Lieder im Deutsch- Folk-Stil zu arrangieren verordnet habe, aber auch experimentell als Soloprogramm. Und f\u00fcr dieses entdeckte ich dann, erstmals 2003, dann noch einmal 2007, aber vor zwei Jahren erst richtig, meinen jetzigen Liedbegleit-Favoriten: Die Deutsche Laute.<\/p>\n<p>Dieses Instrument kennt irgendwie jeder, der mit Folk zu tun hat. Es geht um die Laute in Gitarrenstimmung, mit schmalem, kurzem Griffbrett, meistens mit zu hoher Saitenlage wegen hohen Alters und ihrer fragilen Konstruktion. Man findet sie als Deko in Folkie-Haushalten, auf Flohm\u00e4rkten, mehr oder weniger ramponiert. Wenn spielbar, sind sie leiser als die Gitarren und man kann sie nur schwer in gute Spielhaltung bringen, wenn man sie nicht am Band umh\u00e4ngt. Die Mittelalter-Musiker finden sie nat\u00fcrlich passend zu ihrer Kost\u00fcmierung, dabei viel leichter zu spielen als ein wirklich mittelalterliches Modell und verhelfen ihr derzeit dort zu einer Renaissance, ohne dass eine musikalische Innovation damit verbunden w\u00e4re. Ansonsten geht von diesen Instrumenten eine ausgesprochen altmodische Wandervogel-Assoziation aus, der aber auch gar nichts verhei\u00dfungsvolles anh\u00e4ngt.<\/p>\n<p>Mein Vater, geb. 1915, schw\u00e4rmte von ihr als edlem Instrument. Dass er meine Idole der Stones und Beatles nur auf &#8220;Negermusik&#8221;-Niveau kommentierte, n\u00e4hrte meinen Verdacht, dass man es bei Lautenmusik mit hoffnungslos uncoolem Stoff zu tun haben musste. Eine Tante von mir soll sie konzertant mit gro\u00dfem Talent gespielt haben. Meine Mutter sah mein Talent somit genetisch bedingt und hegte stille Sehns\u00fcchte. Meine Eltern erz\u00e4hlten etwas von Konzerten mit &#8220;Liedern zur Laute&#8221; in ihrer Jugend.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div class=\"ytp-html5-clipboard\">[youtube https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=HdykBoZM4PQ&amp;]<\/div>\n<div class=\"ytp-html5-clipboard\"><\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Da muss es also etwas gegeben haben, und ich lernte w\u00e4hrend meiner Konzertreisen auf den Folkfestivals in den 70ern die Letzten dieser Kultur kennen: Carl Wolfram, ein norddeutscher Volksliedinterpret mit Stimmausbildung, theatralischem Vortrag und viel Pathos. Dann T\u00f6nne Vormann, ein liebensw\u00fcrdiger plattdeutsch singender Heimatlieders\u00e4nger mit wenig Technik; er hatte die Laute schon gegen eine Konzertgitarre eingetauscht. \u00c4hnlich Willi Schr\u00f6er aus Osnabr\u00fcck, mit recht schmissigen Rhythmen und altmodischer Konzertgitarrentechnik.<\/p>\n<p>Im n\u00e4chsten Beitrag, der am Freitag, 22. Januar hier auf dem World-of-Folk \u2013 Blog erscheinen wird, werde ich Euch erz\u00e4hlen, wie ich mich in den 90ern alten Quellen von Volksliedern zuwandte und mich zunehmend der Deutschen Laute widmete. In einem dritten und letzten Beitrag, der am Freitag, 29. Januar erscheinen wird, berichte ich Euch dann von den akutellen Entwicklungen der vergangenen drei Jahre und dem aktuellen Stand meiner Arbeit mit den deutschen Lauten f\u00fcr die Deutsche Laute.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>http:\/\/www.kannmachmusik.de\/<\/strong><\/p>\n<p><strong>Wer mehr Inspiration m\u00f6chte, kommt in meinen Workshop mit deutschen Volksliedern nach Elmstein, in der Folksounds &#8211; Reihe, am 28. &#8211; 31. Januar 2016 (schon die dritte Ausgabe) (http:\/\/www.folksounds.de\/kreativer-umgang-mit-deutschen-volksliedern\/?lang=de)<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich bin Folkmusiker seit 1965 und habe seitdem einen kurvenreichen Entwicklungsweg zur\u00fcckgelegt.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":1254,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[53],"tags":[179,181,564,577],"class_list":["post-1251","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-folk-artists-kunstlerportraits","tag-deutsche-laute","tag-deutschfolk","tag-tom-kannmacher","tag-uilleann-pipe"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/folk.world\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1251","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/folk.world\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/folk.world\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/folk.world\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/folk.world\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1251"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/folk.world\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1251\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1686,"href":"https:\/\/folk.world\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1251\/revisions\/1686"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/folk.world\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/1254"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/folk.world\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1251"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/folk.world\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1251"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/folk.world\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1251"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}