{"id":1264,"date":"2016-01-22T10:07:08","date_gmt":"2016-01-22T09:07:08","guid":{"rendered":"https:\/\/worldoffolk.wordpress.com\/?p=1264"},"modified":"2017-11-29T22:54:26","modified_gmt":"2017-11-29T22:54:26","slug":"deutsche-laute-zur-deutschen-laute-ii","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/folk.world\/de\/blog\/2016\/01\/22\/deutsche-laute-zur-deutschen-laute-ii\/","title":{"rendered":"Deutsche Laute zur Deutschen Laute II"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/worldoffolk.wordpress.com\/2016\/01\/15\/deutsche-laute-zur-deutschen-laute\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Teil I k\u00f6nnt Ihr hier nachlesen<\/a><br \/>\n<!--more--><br \/>\nIch ging Ende der 90er ins Volksliedarchiv, dort fand ich Aufnahmen von Hanns In der Gand, der eigentlich Ladislaus Krupski hie\u00df. W\u00e4re er nicht ein ber\u00fchmter Tr\u00e4ger der r\u00fchrseligsten Schweizer Soldatenlieder gewesen, ich w\u00e4re von ihm restlos begeistert wegen seines wuchtigen und rhythmisch intensiven Vortrags. Ansonsten ergaben meine Sichtungen der einschl\u00e4gigen Noten und Dokumente zu diesem Instrument die ern\u00fcchternde Erkenntnis, dass auch hier die deutsche Neigung zur m\u00f6glichst konsequenten kommerziellen Verflachung von Unterhaltungsmusik zutage trat.<\/p>\n<div class=\"ytp-html5-clipboard\">[youtube https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=bi6y3wUkBYw&amp;w]<\/div>\n<p>Durch den Schweden Sven Scholander, der Ende des 19. Jhd in Deutschland mit internationalen Volksliedern konzertierte, fand das Instrument Eingang in die deutschen Konzerts\u00e4le. Er spielte eine schwedische Laute, die auch Gitarrenstimmung, aber zus\u00e4tzliche Kontrasaiten hatte, die nach ihm benannte &#8220;Scholanderlaute&#8221;. Es gibt tats\u00e4chlich noch Tonaufnahmen von ihm auf youtube, die ihn als versierten und kunstsinnigen Lautenisten und S\u00e4nger zeigen. Er fand Nachahmer, die gleicherma\u00dfen als klassische Konzerts\u00e4nger, aber, revolution\u00e4r, mit eigener Begleitung auftraten. Es gab in der Folge so etwas wie einen Vorl\u00e4ufer der Folkszene, zun\u00e4chst mit internationalen Liedern, dann als immer gr\u00f6\u00dferem Schwerpunkt mit deutschen Liedern, durchaus als nationales Gut verstanden, aber auch mit neuen Liedern, Couplets, Dialektliedern, Kabarettliedern (Frank Wedekind spielte Laute). Es erschienen kleine Stars, etwa eine Elsa Laura von Wolzogen und ein Robert Kothe, der seine Chance darin sah, seine Karriere mit m\u00f6glichst viel N\u00e4he zu Nazi &#8211; Gr\u00f6\u00dfen zu f\u00f6rdern. Mit der Zeit machten es sich die Nachahmer immer leichter mit der Spieltechnik, und die Liedauswahl wurde kommerzieller und berechnender, die Wanderv\u00f6gel erkannten, dass auch drei Griffe f\u00fcrs Lagerfeuer reichten. Heinrich Scherrer setzte noch hohe Standards in seinem Zupfgeigenhansel. Drum herum w\u00fctete das Dritte Reich, und die arme Laute konnte sich gegen das uns\u00e4gliche und unsingliche Liedgut nicht wehren. Die Richtung verkam letztlich zur seichten Schlager &#8211; und Volkstums &#8211; Hausmusik, und die Renaissance der ernsten Konzertgitarrenmusik zog nach dem Krieg die musikalisch anspruchsvollen Musiker an sich. Damit war das Ende dieses Genres besiegelt.<\/p>\n<p>[youtube https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=_l65J51UI]<\/p>\n<p>H\u00f6rt man die Quellen und liest man die Noten dieser Musik, findet man folgende Stilistik vor:<\/p>\n<p>Man singt im klassischen, f\u00fcr Folk &#8211; Ohren schw\u00fclstigen Stil.<br \/>\nMan spielte fr\u00fcher auf Darmsaiten, dann auf Nylonsaiten, die Wanderv\u00f6gel auf den billigeren Stahlsaiten.<br \/>\nDie Instrumente haben zuweilen zus\u00e4tzlich 3 bis 6 diatonisch abw\u00e4rts gestimmte freie Basssaiten, sog. Kontrasaiten. Sie sind eigenartigerweise schr\u00e4g gespannt, vielleicht, um den auf den Hals eingeh\u00e4ngten linken Daumen Platz zu machen. Diese Schr\u00e4gstellung macht es sehr schwer, die Saiten zu treffen. Sie wurden deshalb nur selten angespielt. Aber sie treten in Resonanz zu den anderen und erh\u00f6hen die Klangf\u00fclle und den langen Ausklang betr\u00e4chtlich. Manche Schulwerke raten stilistisch davon ab, sie &#8220;zu viel&#8221; zu gebrauchen. Ein irrationaler Rat. B\u00e4sse w\u00e4hlt man nach den Gesetzen von Harmonielehre und Kontrapunkt, nicht nach denen der Statistik. \u00c4hnliches h\u00f6rt man \u00fcber die Regulatoren der Uilleann Pipes.<br \/>\nDie notierten S\u00e4tze sind fest komponiert. Es gibt keine Improvisation, auch nicht auf den Tonaufnahmen. Es ist mehr oder weniger simplifizierte klassische Musik. Lediglich, dass sich der S\u00e4nger selbst begleitet, bricht mit diesem Prinzip.<br \/>\nEs werden die Techniken der Konzertgitarre vor Pujol \/ T\u00e1rrega angewandt: Kein Apoyando, seltsame &#8220;ausdrehende&#8221; Bewegungsformen der rechten Hand (Scherrer), Apoyando des Daumens (zum D\u00e4mpfen der Nachbarsaite) wie noch heute in der alpenl\u00e4ndischen Gitarrentradition, kein Barr\u00e9e. Oft spielt die Laute die Gesangsstimme mit.<br \/>\nKein off-beat, kein Swing, kein Groove. Viel Ritardando; Pausen zwischen den Strophen wie im Chorwesen. Die Volkslieder klingen wie Kunstlieder.<br \/>\nDie Beatles waren eben noch nicht da. Und wenn, wurden sie mit &#8220;Negermusik&#8221; in Verbindung gebracht.<\/p>\n<p>Warum hat es mich trotzdem geritten, dieses Instrument aufzugreifen ?<\/p>\n<p>Ich besitze eine solche Laute seit 1976. Damals gab es einen kleinen Musikladen in Bonn, er geh\u00f6rte einem Ehepaar Paulus. Wenn man eintrat, machte eine T\u00fcrglocke kling-klang-klung, und man stand direkt vor dem Tresen. Dahinter Frau Paulus, und hinter ihr diese gro\u00dfartig aussehende Laute. Sie hatte eine ungewisse, aber verhei\u00dfungsvolle Ausstrahlung von musikalischem Abenteuer an sich. Sie hing immer da an der Wand, zwischen anderen Instrumenten. Auf ihr klebte ein zettelchen: &#8220;Rep.&#8221; Sie war repariert worden und sollte abgeholt werden. Nach ein paar Jahren fragte ich, ob ich sie kaufen k\u00f6nne, nein, sie sei ja zum Abholen bereit&#8230; Mit dem Versprechen, den Handel r\u00fcckg\u00e4ngig zu machen, sollte der Besitzer noch auftauchen, durfte ich sie dann f\u00fcr wenig Geld mitnehmen.<br \/>\nDas St\u00fcck ist von anderer Klasse als oben beschrieben. Sie wurde von Michael Wach 1905 in M\u00fcnchen gebaut, also, als das Genre noch respektabel war. Sie klingt wirklich gro\u00dfartig. Sie ist ein Unikat, mit unbek\u00fcmmert stilgemischtem Design, mit anthroposophischer Korpusgestalt, gotischer Rosette und Jugendstil &#8211; Kopf. Der Auflegesteg f\u00fcr die Kontrasaiten ist eigens f\u00fcr das Instrument aus Messing gegossen und ahmt den (falsch gehaltenen) linken Daumen des Spielers nach. Das beste aber ist: Mit einer Stellschraube kann man die Halsneigung einstellen. Damit blieb ihr das Schicksal der zu hohen, irreparablen Saitenlage erspart, und die Saitenlage wird \u00fcber alle Zeiten perfekt sein.<\/p>\n<p>[youtube https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=COKPMd-OEuY]<\/p>\n<p>In einem dritten und letzten Beitrag, der am Freitag, 29. Januar erscheinen wird, berichte ich Euch dann von den akutellen Entwicklungen der vergangenen drei Jahre und dem aktuellen Stand meiner Arbeit mit den deutschen Lauten f\u00fcr die Deutsche Laute.<\/p>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.kannmachmusik.de\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">http:\/\/www.kannmachmusik.de\/<\/a><\/strong><\/p>\n<p><strong>Wer mehr Inspiration m\u00f6chte, kommt in meinen Workshop mit deutschen Volksliedern nach Elmstein, in der Folksounds \u2013 Reihe, am 28. \u2013 31. Januar 2016 (schon die dritte Ausgabe) (<a href=\"http:\/\/www.folksounds.de\/kreativer-umgang-mit-deutschen-volksliedern\/?lang=de\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">http:\/\/www.folksounds.de\/kreativer-umgang-mit-deutschen-volksliedern\/?lang=de<\/a>)<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Teil I k\u00f6nnt Ihr hier nachlesen<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":1254,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[53],"tags":[179,236,249,251],"class_list":["post-1264","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-folk-artists-kunstlerportraits","tag-deutsche-laute","tag-folk","tag-folkmusik","tag-folkszene"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/folk.world\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1264","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/folk.world\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/folk.world\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/folk.world\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/folk.world\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1264"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/folk.world\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1264\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1685,"href":"https:\/\/folk.world\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1264\/revisions\/1685"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/folk.world\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/1254"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/folk.world\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1264"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/folk.world\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1264"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/folk.world\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1264"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}