{"id":1274,"date":"2016-01-29T12:21:52","date_gmt":"2016-01-29T11:21:52","guid":{"rendered":"https:\/\/worldoffolk.wordpress.com\/?p=1274"},"modified":"2017-11-29T22:54:13","modified_gmt":"2017-11-29T22:54:13","slug":"deutsche-laute-zur-deutschen-laute-iii","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/folk.world\/de\/blog\/2016\/01\/29\/deutsche-laute-zur-deutschen-laute-iii\/","title":{"rendered":"Deutsche Laute zur Deutschen Laute III"},"content":{"rendered":"<p>Heute erscheint der letzte Teil zum Thema &#8220;Deutsche Laute zur Deutschen Laute&#8221;. Den ersten Teil findet ihr <a href=\"https:\/\/worldoffolk.wordpress.com\/2016\/01\/15\/deutsche-laute-zur-deutschen-laute\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">hier<\/a> und den zweiten <a href=\"https:\/\/worldoffolk.wordpress.com\/2016\/01\/22\/deutsche-laute-zur-deutschen-laute-ii\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">hier<\/a>.<br \/>\n<!--more--><br \/>\nVor ca. drei Jahren beschloss ich also, die Laute zu meinem zentralen Instrument f\u00fcr die Interpretation deutscher Lieder zu machen. Der Gedanke war: Ich m\u00f6chte versuchen, diese unsere Musik in den Kreis der traditionellen Musik in der Rezeption durch die internationale Folk &#8211; Szene einzubringen, mit analogem Qualit\u00e4tsanspruch auf ganzer Linie. Man h\u00e4tte auch eine Gitarre nehmen k\u00f6nnen. Aber Gitarren gibt es \u00fcberall. Diese Laute ist etwas, was nur wir haben. Sie sieht anders aus, hat der Gitarre die Kontrasaiten voraus, und einen eigenen Klang, den man erkennen kann. Es ist &#8230; sagen wir nicht Nationalinstrument; die anderen L\u00e4nder k\u00f6nnen sich diesen Terminus unverd\u00e4chtig erlauben. Es ist aber doch ein typisch deutsches Instrument. Ihre Vergangenheit zeigt, dass sie Potential hat, die sie in ihren Anf\u00e4ngen erahnen lie\u00df. Die peinliche Weiterentwicklung lehrt uns, wie wir nicht mit ihr umgehen sollten; wie wir mit keinem Instrument und mit nichts umgehen sollten. Nicht viele solche traditionellen inl\u00e4ndischen Instrumente sind auff\u00e4llig in Erscheinung getreten: die Th\u00fcringer Wald &#8211; Zither und das els\u00e4ssische \u00c9pinette des Vosges (Scheitholt), beide sehr lokal, fallen mir da noch ein.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>[youtube https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=mOqHYAOIebA]<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Man kann und muss also einen neuen Stil darauf entwickeln, der alte Stil ist historisch und \u00fcberholt, so wie das Uilleann Piping des fr\u00fchen 19. Jahrhunderts, das zu Anfang der Kunstmusik angeh\u00f6rte und dessen sich erst sp\u00e4ter die traditionellen Musiker bem\u00e4chtigten. Man muss also auch die Musik der Deutschen Laute im Sinne der internationalen Folkmusik modernisieren. Und an Anregungen dazu gibt es in meinem Ged\u00e4chtnis keinen Mangel.<\/p>\n<p>Ich machte mich also daran, das Instrument zu ergr\u00fcnden. Zun\u00e4chst passte ich das Instrument meinen Anforderungen an.<br \/>\nIch fand, dass im zweiten Wirbelkasten, den f\u00fcr die Kontrasaiten, noch Platz f\u00fcr einen Wirbel war. Ich s\u00e4gte eine Mechanikeinheit von einer Konzertgitarrenmechanik ab, bohrte das Loch f\u00fcr die Achse und schraubte das St\u00fcck an. Den SSteg verl\u00e4ngerte ich zur Bassseite hin, bohrte das Loch f\u00fcr den St\u00f6ckel und zog die vierte Kontrasaite auf. Jetzt hat das Instrument 4 Contrasaiten in D, C, H und A, oder wie man sie der gespielten Tonart gem\u00e4\u00df stimmen m\u00f6chte. Diese Besaitung wird im Schulwerk von H. D. Bruger (dem meines Wissens besten f\u00fcr das Instrument) ausdr\u00fccklich als die praktikabelste empfohlen.<br \/>\nDer daumenf\u00f6rmige Aufleger am Wirbelkasten bekam neue Aufliegekerben f\u00fcr die Kontrasaiten, so dass diese parallel zur Halskante verlaufen. So findet der anschlagende Daumen sie immer an der selben Stelle, gleich wo die Hand registriert. Auf diese Weise sind die Kontrach\u00f6re auch auf den historischen Lauten angeordnet, und die Spieler damals wussten, was sie taten.<br \/>\nIch musste zwischen Halsnase und Korpus eine Knochenplatte von ca. 2 mm Dicke einf\u00fcgen und auch den Auflagesteg modifizieren, um perfekte Bundreinheit zu erzielen.<br \/>\nIch habe Carbonsaiten und eine umsponnene g &#8211; Saite aufgezogen, um m\u00f6glichst hohen Obertonreichtum zu erzielen.<\/p>\n<p>Dann gings ans \u00dcben. Meine musikalischen Vorstellungen waren ganz an den Vorbildern der lebenden Musiktraditionen orientiert:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div class=\"ytp-html5-clipboard\">[youtube https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=_l65J51UIkw]<\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>In schneller Musik: Treibender groove. Kaum Ritardandi, wenn \u00fcberhaupt, dann am Ende<br \/>\nIn langsamer Musik: Immer noch sanfter Swing. Nur im Extrem nach der Idee der Slow Airs.<br \/>\nAlle Begleitung vielf\u00e4ltig improvisiert, dabei die klassischen Akkordbrechungen lebendig rhyhthmisiert, inklusive offbeat<br \/>\nBewusst gew\u00e4hlte Bass &#8211; Stimmf\u00fchrung, kontrapunktisch zum Gesang, wie von der Konzertgitarrenliteratur gewohnt<br \/>\nZwischenspiele und Vor &#8211; und Nachspiele mit kompletter Melodik, \u00fcbers ganze Griffbrett, und Improvisationen<br \/>\nTonarten der Singstimme entsprechend gew\u00e4hlt. Es ergab sich eine starke Konzentration auf D &#8211; und G &#8211; Tonarten.<br \/>\nIm Prinzip wende ich die Technik der Konzertgitarre an, mit Nagelanschlag und Einbezug von Apoyando, so wie im Studium von Fred Harz und Prof. Dieter Kreidler gelernt. Die habe ich auch 31 Jahre lang unterrichtet. Durch die Jahrhunderte entwickelt, bietet sie h\u00f6chste Vielfalt und technisch rationalen Zugang zu allen Formen der Mehrstimmigkeit und Tonbildung.<br \/>\nDurch die Bearbeitung vieler irischer Tunes und Carolan &#8211; St\u00fccke habe ich gelernt, von der Bindung an Literatur unabh\u00e4ngig zu werden und spontan in Konzertgitarrens\u00e4tzen denkend zu improvisieren.<\/p>\n<p>Die Laute nun bot eine neue Herausforderung: Die Kontrasaiten in diese Spielweise gleicherma\u00dfen wie die 6 gew\u00f6hnlichen Saiten spontan einbeziehen zu k\u00f6nnen. Es hat ein paar Jahre gedauert, um das pr\u00e4zise Raumgef\u00fchl f\u00fcr den rechten Daumen zu erlangen, das man braucht, um nicht die falsche Saite zu w\u00e4hlen, die ja m\u00e4chtig falsch weiterr\u00f6hrt. Eine andere Geschichte ist, diese Saiten zu d\u00e4mpfen, wenn sie zu klingen aufh\u00f6ren sollen, weil eine neue angeschlagen wird. Aber die M\u00fche lohnt sich: Der Klang ist von einer anderen Klasse. Wenn man es schafft, diese tiefen Saiten in eine ordentliche Bass &#8211; Stimmf\u00fchrung hineinzubekommen, bekommt der ganze Satz fast schon etwas klavierartiges.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>[youtube https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=4xN8_hkCYFk]<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ich arbeite nun seit gut zwei Jahren konsequent an diesem Projekt. Was ich bisher erreicht habe, ist ein guter Schritt in die richtige Richtung. Das Instrument klingt so, wie ein traditionelles Instrument klingt, dass dem Einfluss der in Deutschland allgegenw\u00e4rtigen klassischen Stilistik ausgesetzt ist. Dies ist das heimische allgemeine musikalische Umfeld das war in Deutschland immer so, wie das starke Chorwesen und die vielen alten Lieder aus der Hand von mittelstarken Poeten und Halbklassikern zeigen. Aber die Einfl\u00fcsse der internationalen Traditionen lasse ich so stark einflie\u00dfen, dass deren Spielfreude, rhythmische Raffinesse und sinnliche Klanglichkeit dazu kommen, und das Ganze zu einem Stil zusammenw\u00e4chst.<br \/>\nAus dieser Arbeit erw\u00e4chst mir eine unendliche Inspiration, die den Liedern, die im Liederbuch erst einmal so t\u00fcttelig und spie\u00dfig aussehen, eine vollkommen neue Kraft verleihen. Klar, man muss die reflexive Distanz, die man erst einmal gegen\u00fcber so vielen Herzchen und Sch\u00e4tzchen und Bl\u00fcmchen und Symb\u00f6lchen einnimmt, erst mal durch klare Analyse \u00fcberwinden. Und dann findet man, dass diese Bauernmalerei &#8211; Lyrik in quasi w\u00f6rtlicher \u00dcbersetzung in den hochgesch\u00e4tzten Liedern Irlands, Schottlands &amp; Co genauso auftritt .<\/p>\n<p>Aber dar\u00fcber in einem sp\u00e4teren Artikel. Wer das Zwischenergebnis meiner Bem\u00fchungen h\u00f6ren will, kann das auf youtube unter &#8220;Tom Kannmacher&#8221; tun. Wer mehr Inspiration m\u00f6chte, kommt in meinen Workshop mit deutschen Volksliedern nach Elmstein, in der Folksounds &#8211; Reihe, am 28. &#8211; 31. Januar 2016 (schon die dritte Ausgabe) (http:\/\/www.folksounds.de\/kreativer-umgang-mit-deutschen-volksliedern\/?lang=de)<\/p>\n<p>http:\/\/www.kannmachmusik.de\/<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Heute erscheint der letzte Teil zum Thema &#8220;Deutsche Laute zur Deutschen Laute&#8221;. Den ersten Teil findet ihr hier und den zweiten hier.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":1254,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[53],"tags":[179,236,249,251,564],"class_list":["post-1274","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-folk-artists-kunstlerportraits","tag-deutsche-laute","tag-folk","tag-folkmusik","tag-folkszene","tag-tom-kannmacher"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/folk.world\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1274","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/folk.world\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/folk.world\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/folk.world\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/folk.world\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1274"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/folk.world\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1274\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1684,"href":"https:\/\/folk.world\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1274\/revisions\/1684"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/folk.world\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/1254"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/folk.world\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1274"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/folk.world\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1274"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/folk.world\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1274"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}