{"id":1345,"date":"2016-03-25T09:40:36","date_gmt":"2016-03-25T08:40:36","guid":{"rendered":"https:\/\/worldoffolk.wordpress.com\/?p=1345"},"modified":"2020-12-03T11:04:19","modified_gmt":"2020-12-03T10:04:19","slug":"folk-artists-ein-unglaublicher-fundus-an-tanzmusik-teil-ii","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/folk.world\/de\/blog\/2016\/03\/25\/folk-artists-ein-unglaublicher-fundus-an-tanzmusik-teil-ii\/","title":{"rendered":"Ein unglaublicher Fundus an Tanzmusik &#8211; Teil II"},"content":{"rendered":"<p><strong>Wie versprochen, k\u00f6nnt Ihr ab heute hier den zweiten Teil des Interviews mit Jutta Weber-Kran lesen, die die Internetseite Folkloretanznoten.de mit viel Liebe, Zeitaufwand und Engagement betreut. Habt viel Spa\u00df dabei!<\/strong><br \/>\n<!--more--><br \/>\n<strong>So fing alles an<\/strong><\/p>\n<p><em>Martin hat lange Zeit die Notensammlung aufgebaut. Wie ist es dazu gekommen, dass Du diese Sammlung \u00fcbernommen hast?<\/em><\/p>\n<p>Ich habe Martin 2007 kennengelernt \u00fcber eine gemeinsame Freundin, die fr\u00fcher seine Sch\u00fclerin war. Ich war bei diesem Silvesterseminar in Norddeutschland. Er teilte uns mit, dass er aufgrund seines fortgeschrittenen Alters die Seite nicht ewig machen k\u00f6nne und wolle und jemanden suche, dem er das vertrauensvoll in die H\u00e4nde legen k\u00f6nnte. Er wusste, dass ich Noten schreibe. Und wir haben w\u00e4hrend des Seminars ein wenig zusammengearbeitet, wodurch er einen Eindruck bekommen hat, was ich mache. Er fragte mich, ob ich das \u00fcbernehmen wolle. Ich sagte ja, rechnete aber eigentlich noch mit zehn Jahren, bis er keine Lust mehr hat. Doch schon zwei Jahre sp\u00e4ter kam er auf mich zu, sagte, &#8220;so, n\u00e4chsten Monat kriegst Du &#8216;s.&#8221; Wow. Dann sa\u00df ich da und war Herrin \u00fcber sehr viele Noten.<\/p>\n<p><em>Das ist ja eine Ehre.<\/em><\/p>\n<p>Ja, eine totale Ehre, das finde ich auch. Einerseits hat es mir sehr geschmeichelt, andererseits hat es mich leicht verschreckt. Jetzt bin ich dabei, die Seite weiter aufzubauen und auch nachzupflegen. Wie gesagt, ich vermerke auf den Noten gerne, von welchem Tanzlehrer es ist und\/oder von welcher Platte das St\u00fcck stammt, oder von welcher CD. Martin hatte da nicht Buch gef\u00fchrt. Ich habe zwar sehr, sehr viele Aufnahmen, auch von ihm zum Teil, und kann etliches nachvollziehen; aber einiges auch nicht. Das bedarf dann umfassender Recherche. Damit bin ich bestimmt noch zehn, zwanzig Jahre besch\u00e4ftigt (lacht), bis ich alles mit Quellenangaben versehen habe.<\/p>\n<p><em>Hat Martin mit dem Projekt gar nichts mehr zu tun oder f\u00fchrt ihr das gemeinsam fort?<\/em><\/p>\n<p>Er macht schon noch etwas. Martin hat sich in letzter Zeit eher mit Klassik besch\u00e4ftigt. Eigentlich ist er auch Organist. Immer, wenn ich einmal nicht weiter komme, frage ich ihn. Dann schickt er mit einen Entwurf, ich mache das End-Layout. Er hilft durchaus noch mit, immer wieder gern, wenn es sich ergibt.<\/p>\n<p><em>Er ist urspr\u00fcnglich Organist.<\/em><\/p>\n<p>Ja, von Haus aus, aber er spielt alles; Geige, Klarinette, sehr gut Akkordeon. Durch seine vielen Reisen hat er einen Riesenfundus an Dudels\u00e4cken, er hat ein Cimbalom, eine ganze Tamburica-Familie aus Kroatien. Er kann also mehrere Folklore-Orchester ausstatten mit seinen Instrumenten.<\/p>\n<p><em>Welche Instrumente spielst Du?<\/em><\/p>\n<p>Ich spiele Fl\u00f6ten, Doppelrohrblatt-Instrumente wie Bombarde. Ich singe und spiele etwas Perkussion.<\/p>\n<p><em>Martin singt nicht?<\/em><\/p>\n<p>Martin singt auch, allerdings nur nebenher. Besonders griechische Sachen liegen ihm sehr.<br \/>\nSo wird ein neues St\u00fcck in die Notensammlung aufgenommen.<\/p>\n<p><em>Also Du st\u00f6\u00dft auf ein Lied, das Du im besten Fall audiogebunden auf einer Schallplatte, einer Kassette oder CD vorfindest und dann f\u00e4ngst Du an, das in Noten umzuschreiben?<\/em><\/p>\n<p>Ja.<\/p>\n<p><em>Eine gewaltige Aufgabe, oder?<\/em><\/p>\n<p>Je nach St\u00fcck, manche sind einfach. Was immer recht schnell geht, ist die Melodie. Die Basslinie l\u00e4\u00dft sich meistens auch noch ganz gut h\u00f6ren. Nicht wenige St\u00fccke haben F\u00fcllstimmen mit drin, was f\u00fcr die Umsetzung in einem Orchester oder in der Band nicht uninteressant ist. Und da wird es unter Umst\u00e4nden schwer. Je nach Aufnahmequalit\u00e4t kann es m\u00fchsam sein, die herauszuh\u00f6ren. Ich arbeite viel mit Stereoabh\u00f6ren, also Kanal zuschalten und wegschalten, was aber auch nur dann greift, wenn es nicht mono ist. Und viele der alten Aufnahmen sind nun mal mono. Manchmal hast Du eine Aufnahme, die schon zur Zeit ihrer Plattenpressung nicht die beste war, oder sehr abgeleierte Kassetten. Gibt es die in keiner besseren Qualit\u00e4t, muss man eben damit arbeiten.<\/p>\n<p><em>Nach welchen Kriterien suchst Du aus? Was Dir gef\u00e4llt oder was tanzbar ist oder was authentisch ist?<\/em><\/p>\n<p>In erster Linie kommt das dran, was f\u00fcr die Seminare eingereicht wird. Die T\u00e4nzer geben mir hierzu drei bis sieben St\u00fccke pro Person, die sie gerne erkl\u00e4ren w\u00fcrden. Manchmal setze ich den Rotstift an, wenn es zu modern ist, denn mit Pop-Folk mag ich mich nicht besch\u00e4ftigen. Entweder kann ich ein allzu modernes St\u00fcck zur\u00fcckf\u00fchren auf eine \u00e4ltere Fassung oder wir machen es halt nicht. Mir ist es ein Herzensding, die alten Aufnahmen einzufangen und so zu bewahren, die alten Verzierungen, Techniken und Textfassungen. Das ist mir immer am liebsten.<\/p>\n<p><em>Du gibst Seminare f\u00fcr Folkloremusik?<\/em><\/p>\n<p>Ich schreibe die Noten f\u00fcr Seminare f\u00fcr Folkloretanz. Das ist in dem Sinne auch kein Seminar f\u00fcr Musik. Die Musiker bekommen die Noten vorab zugeschickt und die Originalaufnahmen auch. Sie bereiten sich dann selbst vor. Bei diesen Veranstaltungen lernen wir nicht die Musik, sondern wir sind da und spielen sie. Die T\u00e4nzer lernen in dem Seminar die T\u00e4nze, wir Musiker sind gleich richtig dabei.<\/p>\n<p><strong>Folk oder Folklore?<\/strong><\/p>\n<p><em>Du sagt ja oft &#8220;Folklore&#8221;, w\u00e4hrend ich gerne das Wort &#8220;Folk&#8221; verwende. Was ist f\u00fcr Dich der Unterschied zwischen Folk und Folklore und was ist f\u00fcr Dich jeweils diese Musik, also Folklore und Folkmusik?<\/em><\/p>\n<p>F\u00fcr mich ist Folkmusik begrenzt auf den englischsprachigen Raum, also die traditionelle Musik Englands und Nordamerikas. Und Folklore ist eigentlich das Wissen und die Kenntnis der V\u00f6lker, der Menschen, der Bev\u00f6lkerung, unabh\u00e4ngig von der Musik. Es gibt eine norwegische Folklore, eine schwedische Folklore, bulgarische, eine italienische&#8230; Wenn ich sage &#8220;folk music&#8221;, dann sehe und h\u00f6re ich englisch und vielleicht noch ein bisschen keltisch, da die irischen und bretonischen Geschichten ja auch eng zusammenh\u00e4ngen. Klar, ein Engl\u00e4nder kommt um den Begriff &#8220;Folk&#8221; nicht herum, aber wenn ein Deutscher das sagt, sehe ich das begrenzt.<\/p>\n<p><em>Warum ich lieber Folk anstatt Folklore sage, ist der Hintergrund, gleich das Wort &#8220;folkloristisch&#8221; angeh\u00e4ngt zu bekommen. Und das wiederum finde ich, ist im popul\u00e4ren Sinn f\u00fcr Leute, die weniger mit der Thematik zu tun haben, etwas recht Verniedlichtes, Verkost\u00fcmiertes und im Prinzip gar nichts mehr von dem, was f\u00fcr mich pers\u00f6nlich die Bedeutung des Folks ausmacht.<\/em><\/p>\n<p>Ja, das verstehe ich. Aber &#8220;folkloristisch&#8221; entspricht ja letztendlich dem &#8220;Volkst\u00fcmlichen&#8221; \u2013 es tut so, als ob, und ist doch nur ein m\u00fcder Abklatsch. Es gibt in Deutschland auch eine Volksmusik-Szene, die nichts mit Musikantenstadl und Showtanzen vor Touristen zu tun hat, sondern die tats\u00e4chlich genuin und wahrhaftig ist &#8211; vor allem im alpinen Raum, auch in \u00d6sterreich und der Schweiz. Das ist ganz wunderbar. Und da w\u00fcrde ich nie sagen &#8220;volkst\u00fcmlich&#8221;. Diese Musik ist auch etwas, das sich weiterentwickelt. Es ist viel Textbasiertes und hat aktuelle Bez\u00fcge, wie bei den Bierm\u00f6sl Blosn zum Beispiel. Die haben immer politische Themen aufs Korn genommen und sich eingemischt. Und das ist so, wie es eigentlich sein sollte. Das entspricht den amerikanischen Protests\u00e4ngern wie Woody Guthrie, die auch politische Themen begleitet, zum Teil auch gef\u00f6rdert und unterst\u00fctzt haben.<\/p>\n<p>Und so etwas fehlt zum Beispiel in Bulgarien, das politisch bezogene Lied, wobei ich einr\u00e4umen muss, dass ich ihm vielleicht nur noch nicht begegnet bin. Die Folklore war jedenfalls konserviert und staatlich gesteuert &#8211; in den ganzen vormals kommunistischen L\u00e4ndern wurde Folklore praktisch als identit\u00e4tsstiftendes Element instrumentalisiert, um die jeweilige Bev\u00f6lkerung zu einen. Das war nat\u00fcrlich reglementiert und immer wieder ideologisch durchsetzt. Es konnten keine Sachen gesungen werden, die nicht passten, das konnte nicht politisch werden.<\/p>\n<p><em>Und geschichtlich aus der Zeit vor dem Kommunismus?<\/em><\/p>\n<p>Ja, da gibt es schon Politisches. Doch eigentlich sind es mehr heldenverehrende Sagen in Liedform. Da wird erz\u00e4hlt, wie dieser Haiduk und jener Freiheitsk\u00e4mpfer gegen die T\u00fcrken, gegen diesen, gegen jenen angetreten ist und nat\u00fcrlich siegte. Wenn nicht gleich, dann sp\u00e4ter. (schmunzelt) Meistens waren noch M\u00e4dchen beteiligt, die dann auch mal mutiger waren als die M\u00e4nner. Da gibt es viele Muster.<\/p>\n<p>Das Folkloristische ist im Grunde eine Abspaltung, eigentlich nur der \u00e4u\u00dfere Lack, darunter verbirgt sich dann ein Pop-Arrangement. Ist leider da, kann man nicht \u00e4ndern.<\/p>\n<p><em>Hat sicherlich auch viel mit Unverst\u00e4ndnis zu tun.<\/em><\/p>\n<p>Ja, das ist auch wieder dieses \u201eSich-nicht-einlassen\u201c. Man sieht dann jemanden, der hat ein Kost\u00fcmteil an oder spielt vielleicht so ein Instrument oder sieht so \u00e4hnlich aus oder singt mal ein Lied in einem anderen Dialekt. Schon macht der H\u00f6rer eine Schublade auf und es reicht dann schon. Man guckt nicht dahinter, was es wirklich ist; man schaut nicht weiter.<\/p>\n<p><strong>Politischer Folk<\/strong><\/p>\n<p><em>Du sagst, in Bulgarien gibt es keinen politischen Folk, auch heute nicht. Wo bl\u00fcht der stattdessen?<\/em><\/p>\n<p>In Griechenland. Griechenland hat eine Tradition des politischen Liedes mit Rembetiko, der Musik der st\u00e4dtischen Subkultur in der ersten H\u00e4lfte des 20. Jahrhunderts. Ich denke, das l\u00e4uft weiter; dieser ganze Ausdruck des Widerstands durch das Lied hat da eine ungebrochene Tradition.<\/p>\n<p><em>Sind das haupts\u00e4chlich Lieder oder auch Lied mit Tanz?<\/em><\/p>\n<p>Es geht dabei vor allem um den Text, aber man kann zu einigen auch tanzen. Alles, was heute bei uns Tanzlied ist, zum Beispiel die Lieder auf der Website, ist nicht unbedingt ein Tanzlied im ethnomusikologischen Sinne. Es gibt in jeder europ\u00e4ischen Kultur, soviel ich wei\u00df, T\u00e4nze, die allein durch Gesang begleitet werden. Das sind wahre Tanzlieder, eine ganz fr\u00fche musikalische Ebene. Es gibt L\u00e5ngdans in Schweden, dazu wurden Lieder gesungen. Auf den Far\u00f6ern hat sich zum Beispiel etwas erhalten, wo ein ganzer Saal zu einer gemeinschaftlich gesungenen ellenlangen Ballade tanzt. In Ostfriesland gab es solche Sachen. Und heute noch in Frankreich mit einer relativ regen Szene, die diese Tanzlieder singen, mit solistischem Vors\u00e4nger und allen anderen, die nachsingen. Das sind Tanzlieder im ethnologischen Sinne.<\/p>\n<p>Was wir transkribiert haben, sind h\u00e4ufig Lieder, die einmal aufgenommen wurden &#8211; und durch das Arrangement und die K\u00fcrzung oder \u00c4nderung des Textes eventuell schon ihrem urspr\u00fcnglichen Sinn entfremdet sind -, solch eine Aufnahme wurden dann von einem Choreografen genommen, der einen Tanz darauf machte, den er im Prinzip frei gestaltete. Manchmal waren das auch komplett \u00fcberlieferte T\u00e4nze. Gerade die Choreografen in den ehemals kommunistischen L\u00e4ndern haben eine entsprechende Ausbildung durchlaufen und verwenden Elemente der traditionellen T\u00e4nze in den Choreografien. Es soll ja schon noch irgendwie Folklore sein, wenn auch keine ganz echte in vielen F\u00e4llen.<\/p>\n<p><em>Was sind Deine Lieblingsbereiche, in denen Du Dich geografisch und musikalisch bewegst?<\/em><\/p>\n<p>Ich mag gerne bulgarische und mazedonische Musik. Bei Rum\u00e4nisch taste ich mich noch heran, die gef\u00e4llt mir aber auch sehr gut. Ich mag franz\u00f6sische Musik sehr, englische, finnische, schwedische auch, Schweizer Musik, traditionelle Schweizer Musik. Wundersch\u00f6n und sehr besonders.<\/p>\n<p><strong>Folk in Deutschland<\/strong><\/p>\n<p><em>Ich habe Deutschland noch nicht geh\u00f6rt.<\/em><\/p>\n<p>Deutschland hat wenig. Ich mag die moderneren bayrischen Sachen. Ansonsten ist mir eigentlich die deutsche Volksmusik, wenn es die eigentlich gegeben hat, in den letzten 100 Jahren zu verw\u00e4ssert. Da ist ja kaum noch etwas \u00fcbrig.<\/p>\n<p><em>Sind das vielleicht die Liedermacher?<\/em><\/p>\n<p>Nee. Ich meine die richtig traditionellen Musiken, die sich am Rand gehalten haben. In Norddeutschland ein bisschen, in Bayern ein bisschen. Seit langer Zeit hat sich das in der Mitte verwaschen durch die ganze Kleinstaaterei, die wir hatten, dann deren Aufl\u00f6sung; es gab Auswanderungswellen, die Hugenotten kamen mit ihrer eigenen Kultur \u2013 es war ein riesiges Durchgewandere und eine Umstrukturierung, dadurch ist uns viel Traditionelles abhanden gekommen, so etwas erh\u00e4lt sich am besten in abgelegeneren Gebieten. Die Hayner Dorfmusikanten aus Dreieichenhain wollten eine Platte machen mit s\u00fcdhessischen St\u00fccken. Sie haben lange recherchiert und leider nur wenig gefunden. Zum Beispiel war im Odenwald oder S\u00fcdhessen die \u00fcberlieferte musikalische Folklore schon fast verschwunden, bevor angefangen wurde, aufzuzeichnen. In den 1910er, 1920er Jahren war fast nichts Altes mehr da.<\/p>\n<p>In Deutschland fand, wie auch in anderen westeurop\u00e4ischen L\u00e4ndern, in den 1970er und fr\u00fchen 1980er Jahren ein Folklore-Revival statt. Da gab es gr\u00f6\u00dfere Bands, die sich auch an altem Liedgut versuchten. Darunter sind Sachen, die ich heute noch gern h\u00f6re. Am l\u00e4ngsten gehalten haben sich, glaube ich, Liederjan aus Norddeutschland. Die haben relativ viel gemacht, auch noch vor kurzer Zeit. Im Osten war es zum Beispiel Wacholder. Dann gab es Zupfgeigenhansel, die auch ein sehr sch\u00f6n zusammengestelltes Liederbuch herausgegeben haben. Es gab Elster Silberflug, die ihre ganz eigene Version alter Lieder spielten. Larynx waren gut, \u00c4lab\u00e4tsch, Espe, Sauerteig\u2026<\/p>\n<p><em>Und um das von der Entwicklung her zu betrachten: Ist es denn so, dass Ougenweide aus dem Revival entstanden ist, aber dann Richtung &#8220;Mittelalter&#8221; gegangen ist?<\/em><\/p>\n<p>Ougenweide begannen auch in den 1970ern, hatten aber von Anfang an mittelalterliches Repertoire, soviel ich wei\u00df. Als sie anfingen, suchten sie gleich alte Texte und vertonten viel selbst. Damit haben sie auch Standards gesetzt, weil die Zuh\u00f6rer und vor allem die Nachahmer sich nicht darum gek\u00fcmmert haben. Viele denken beispielsweise, dass Ougenweides Merseburger Zauberspr\u00fcche ja so wunderbar alt w\u00e4ren. Doch nur der Text ist alt, nicht die Melodie, die ist aus den 1970ern.<\/p>\n<p><strong>Empfehlungen zu Folkloretanznoten<\/strong><\/p>\n<p><em>Was m\u00f6chtest Du abschlie\u00dfend zu Folkloretanznoten.de sagen?<\/em><\/p>\n<p>Bleibt neugierig, offen. Guckt, st\u00f6bert. Gebt nicht auf, wenn man nicht gleich etwas kapiert. Auch was die krummen Takte angeht, die immer einmal wieder vorkommen &#8211; es gibt ganz wilde krumme Takte. Es gibt verschiedene Siebener, es gibt Achter, Neuner, Elfer, Achtzehner, Dreiundzwanziger und noch viel mehr. Es sind im Grunde alles Kombinationen von zwei und drei. Solche Sachen lernen sich am besten, wenn man sich rhythmisch zu der Musik bewegt; nicht, wenn man sie durchz\u00e4hlt. Zum Beispiel z\u00e4hlt man in Bulgarien beim Erkl\u00e4ren eines 7\/8-Tanzes nicht 1-2-3-4-5-6-7, 1-2-3-4-5-6-7, sondern eins-zweidrei, eins-zweidrei, beziehungsweise bei der anderen Form einszwei-drei, einszwei-drei. Sie z\u00e4hlen die Schwerpunkte. Die gilt es zu ersp\u00fcren, so dass man sie ins System kriegt. Dann ist die Umsetzung dieser Musiken auch kein Problem mehr.<\/p>\n<p><em>Ist es hilfreich als Musiker, sich den Tanz dazu vorzustellen?<\/em><\/p>\n<p>Ja, zum Beispiel. Oder man h\u00f6rt sich eine entsprechende Musik an und h\u00fcpft dazu in der K\u00fcche rum. Nicht z\u00e4hlen, einfach h\u00f6ren: wo sind die Schwerpunkte in der Musik. Und das mal zu tanzen, schadet nicht. (lacht) Wenn man die M\u00f6glichkeit hat, so etwas in der Tanzgruppe oder vor Ort zu machen, ist es nat\u00fcrlich noch besser. Ich glaube, das machen westliche Musiker, falls sie sich damit nicht auskennen, oftmals falsch; die z\u00e4hlen jede Achtel. Aber so wird es nichts. Erstens ist es stressig und zweitens klingt das Ergebnis auch ganz bl\u00f6d, weil die Gewichtungen, die Schwerpunkte nicht stimmen.<\/p>\n<p>Unser ganzes Projekt ist ein Work-in-Progress. Es ist nie fertig, auch die einzelnen Notenbl\u00e4tter nicht, es gibt Erweiterungen, Varianten, Korrekturen. Ich bin auch immer einmal dabei, ein handgeschriebenes St\u00fcck digital zu schreiben und ein bisschen aufzubessern, wenn es zu skizzenartig war. Oder mir f\u00e4llt etwas in die Finger, von dem ich denke, das muss da hin. Das hat zwar keiner eingereicht und es ist kein Tanzlehrer zuzuordnen, aber ich finde es einfach sch\u00f6n und passend. Und immer gilt: Weiterspielen!<\/p>\n<p><em>Alles klar, vielen Dank, Jutta, f\u00fcr Deine Zeit f\u00fcr das Interview \u00fcber Folkloretanznoten.de und wer dahinter steckt.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie versprochen, k\u00f6nnt Ihr ab heute hier den zweiten Teil des Interviews mit Jutta Weber-Kran lesen, die die Internetseite Folkloretanznoten.de mit viel Liebe, Zeitaufwand und Engagement betreut. 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