logo_WoF_impressumLiebe Leser,

heute ist es endlich soweit und das erste Interview geht auf World of Folk online. Heute direkt in eigener Sache, damit Ihr uns erst einmal etwas besser kennenlernt, unsere Gedanken lesen könnt und unsere Triebfedern versteht.

Es war ein einmal ein wunderschönes Hochsommerwochenende in Taucha, in der Nähe von Leipzig. Um einen hübschen Weiher versammelten sich musikbegeisterte, alternative, ruhige und ausgelassene Menschen, um gemeinsam wiederholt das Ancient Trance Festival zu begehen. Dort begab es sich, dass wir an einem sonnig-heißen Nachmittag mit toll gebackenem Kuchen, genial gutem Kaffee und voll Freude auf den Abend unter einer Trauerweide am Wasser saßen… Ein guter Ort für ein Interview, dachten wir, und begannen gleich damit.

© 2013 Ancient Trance Festival (Maultrommel e. V.)
© 2013 Ancient Trance Festival (Maultrommel e. V.)

1. Lieber Jonas. Wir sitzen hier heute gemeinsam auf dem Festival-Gelände des Ancient Trance in Taucha bei Leipzig. Was bedeutet Deiner Meinung nach ein solches Festival für die Folkszene?

In erster Linie viel Inspiration, vor allem dadurch, dass sich auf dem Ancient Trance sehr viele Musikstilrichtungen wiederfinden, die einerseits sehr elementar sind, anderseits sehr viele Musikstileinflüsse in sich aufnehmen und kombinieren. Dadurch gibt es hier einen unschätzbar großen Pool an Ideen, an Inspiration, die vor allem auch Einsteiger in der Folkszene oder allgemein in der Musikszene anregen können.

Auf unserem Zeltplatz saß heute früh eine Gruppe junger Leute, im Alter von Anfang bis Mitte 20, die eine spontane Session veranstaltet haben; mit Trommeln, mit Didgeridoo, mit Maultrommeln, einer Melodika – die haben sehr lange Musik gemacht, da konnte man richtig merken, dass einige die Musik richtig im Blut hatten. Das ist so ein Beispiel dafür, was alles entstehen kann, wenn man sich hier auf die musikalischen Einflüsse einlässt.

Ancient Trance Festival by Maultrommel e.V. on wikimedia.org (CC BY-SA 3.0)
Ancient Trance Festival by Maultrommel e.V. on wikimedia.org (CC BY-SA 3.0)

2. Was gefiel Dir dieses Jahr besonders?

Eine Aufführung in der Kirche am Freitag. Es war ein Special in der Kirche: eines von drei Maultrommelspecials. Am Freitag gefiel mir ein skandinavischer Artist am besten. Er erzählte, er sei skandinavischer Ureinwohner. Er hat auf sehr ursprüngliche, zeremonielle Weise ein Konzert aufgeführt. Sein Konzert bestand aus Oberton- und Kehlkopfgesang, Maultrommelmusik, unglaublich mystischen Lauten, die er aus seiner Kehle erzeugt hat. Das hat sich zum Beispiel angehört, wie eine vorüberfliegende Schar von Fledermäusen. Das was mich an diesem Auftritt aber am meisten beeindruckt hat, war, dass er am Ende des Auftritts sich Richtung Publikum bewegt hat und einen Schlauch an einer Kordel durch die Luft gewirbelt hatte. Das hat sehr atmosphärische Töne erzeugt. Er hat dazu Kehlkopfgesang praktiziert, was einem richtig zum Träumen bewegen konnte. Das war bisher wirklich so der schönste Eindruck des Festivals. Vor allem, weil er auch so elementar und pur war.

3. World of Folk wurde von Dir vor etwas mehr als einem Jahr gegründet. Wie kam es zu der Idee?

Ich würde nicht sagen, dass es einen initialen Moment gab, der mich auf diese Idee gebracht hat. Was vielleicht einer mit der Beweggründe war, ist, dass ich auf der Suche nach dem Folk, der ursprünglichen Musik oder nach der Musik vom Volke aus gerade in Deutschland auf eine Lücke gestoßen bin.

Was in Deutschland zu fehlen scheint, ist die Folkmusik aus Deutschland, von deutschen Wurzeln her oder von der Kultur des deutschen Volkes her. Während die Iren ihren Irish Folk haben, der Balkan seinen ganz besonderen Folk hat, fehlt eben der Folk in und für Deutschland meiner Meinung nach. Der Folk kann aber entstehen und es gibt verschiedene Bereiche, in denen er schon be- und entsteht. Und ich möchte mehr Leute, mehr junge Leute ermuntern, sich an diesen Keimzellen zu beteiligen und selbst Folkinstrumente in die Hand zu nehmen und sich mit diesen zu identifizieren; sich mit der eigenen Kultur, dem eigenen Ursprung wieder mehr zu identifizieren und neue Klänge, neue Musik, neue Melodien entstehen zu lassen. Und ich finde, das ist sehr fördernswert und darin liegt letztendlich mein Urgedanke, der mich zu der Idee von World of Folk inspiriert hat.

4. Wenn man sich jetzt die deutsche Musikszene anschaut, gibt es ja schon die Sparte der “deutschen Liedermacher”. Es klang jetzt für mich so, als würdest Du das nicht als Teil der deutschen Folkszene betrachten. Kannst Du dazu kurz was sagen?

Die deutsche Liedermacherszene ist für mich eine feste Szene, die sich über den Begriff “Liedermacher” für mich fest als eigenständiger Bereich etabliert hat. Es gehört aber auf jeden Fall zur deutschen Folkszene dazu. Worauf ich aber bei Deiner Frage das Augenmerk lenken möchte, ist, die deutsche Folk-Melodien-Szene. Ich bin auf der Suche nach deutschen instrumentalen Klängen. Wenn ich Akkordeon, Fidel oder andere Instrumente aus der Irish Folk Szene höre, ist das für mich so ganz klar mit Irland oder auch Schottland verbunden. In Deutschland fehlt mir so ein Pool von melodischen Instrumenten, bei denen ich sofort sagen würde: “Das ist der typische Klang des deutschen Folks.”

Die Liedermacherszene ist deutscher Folk. Aber mir fehlt einfach noch immer ein breiteres Spektrum an instrumentalem Background.

5. Was würdest Du Dir denn dann in Bezug auf Deine Erläuterungen von der Deutschen Volksmusik wünschen, weil das ist ja schon auch ein Bereich des deutschen Kultur- und Musikguts, der immer wieder Kritik erfährt, aber auf der anderen Seite eine große Zuhörerschaft hat? Dort findet man durchaus Instrumente wie Akkordeon oder andere.

Ich weiß nicht, ob man sagen kann, dass die Volksmusikszene in der Bringschuld ist. Ich finde, es gilt eine große Kluft zu schließen; und zwar die Kluft zwischen den jungen deutschen Leuten und der traditionellen Volksmusik (ausgenommen ist hier der Schlager). Ich finde da ist irgendwo eine Lücke, die es zu schließen gilt. Was jetzt die Deutsche Volksmusik tun kann, um mehr an die jungen Leute heranzukommen, oder was andersherum die jungen Leute tun können, um sich mehr mit ihrer Heimatmusik zu indentifizieren, das ist tatsächlich eine offene Frage. Ich würde mir auf jeden Fall eine Annäherung wünschen. Dazu gehört unheimlich viel Kreativität, Freigeist, das Abspalten von Volksmusikklischees, vom Schlager. Eine Annäherung, ohne direkt belächelt zu werden.

6. Jetzt haben wir doch noch einen größeren Bogen in die deutsche Musiklandschaft geschlagen und sind etwas abgekommen von Dir und Deiner Firma. Dahin würde ich jetzt aber gerne zurückkehren. Daher meine nächste Frage: Für was steht “World of Folk” – welche Vision hast Du für Dich und Dein Unternehmen?

World of Folk steht für das Erleben, das Erlernen, für den Einstieg und das Leben von volkstümlichen, ursprünglichen Instrumenten. Allerdings gehören neben den Instrumenten auch das Instrument der eigenen Stimme selbstverständlich mit dazu.

7. Neben dem Vertrieb von Instrumenten möchtest Du also den Menschen, v.a. jungen Menschen die Folkmusik näher bringen. Was glaubst Du, wie das gelingen kann?

Folkmusik entsteht in dem man sie macht. Ich denke nicht, dass es da im Vorfeld Berührungsängste geben muss. Ich stelle mir zum Beispiel ein Zusammentreffen so vor, dass sich junge Leute zusammenfinden und jeder von sich berichtet, was er denn musikalisch erlebt hat und was er gerne probieren möchte. Dabei gibt es keine Vorgabe. Und dann trägt man all diese Erfahrungen zusammen.

8. Mit welchen Instrumtenbauern arbeitest Du bisher zusammen?

Das ist zum einen Thomas Zöller. Er war der erste Festlandeuropäer, der erfolgreich den Studiengang “Bachelor of Scottish Music/ Piping Degree” absolviert hat. Er hat seine Dudelsackakademie in Hofheim am Taunus. Und er hat einen kleinen Dudelsack mit geringerer Lautstärke, die Wee-Pipe, zusammen mit dem Dudelsackbauer Clemens Bieger und einem Schotten entwickelt. Einmal handelt es sich dabei um die schottische Version, in der Tradition der Great Highland Bagpipe, die also dem großen schottischen Dudelsack entspricht. Und einmal für die Musikrichtung der Mittelalterszene. Dieser Dudelsack entpsricht der Griffweise des Großen Marktsacks.

Außerdem arbeite ich mit Dominik Pawlat zusammen, der mir gezeigt hat, wie man die German Smallpipe fertigstellt. Sein Instrument biete ich parallel zur Wee-Pipe an. Dominik kann auf eine sehr langjährige Erfahrung im Dudelsackbau zurückgreifen. Er vertreibt bereits über viele Jahre Große Marktsäcke, Hümmelchen und die German Smallpipe. Dominik zeichnet sich dadurch aus, dass er stets offen auf die individuellen Gestaltungswünsche des Kunden eingeht.

9. Interessant finde ich vor allem das Mietmodell, das von WoF angeboten wird. Kannst Du kurz darüber berichten?

Das Mietmodell habe ich entwickelt, um Leuten, die anfangs über kein großes Budget verfügen, den Einstieg mit einem hochwertigen, professionellem Insturment zu erleichtern. Das Mietmodell sieht vor, dass man sich eines der Insturmente aus dem Angebot von Word of Folk aussuchen kann. Dies kann man dann zu einer Mindestdauer von sechs Monaten zu moderaten Monatsraten, die sich am Preis des Instrumentes orientieren, mieten. Nach den sechs Monaten kann man entscheiden, ob man das richtige Instrument für sich gefunden hat und es vielleicht weiter mieten möchte oder es zurück geben möchte. Das besondere ist, dass der Mieter zum einen nach dem sechsten Mietmonat die Möglichkeit hat, auch gleich das Instrument vollständig abzukaufen oder aber dass nach 24-monatiger Mietlaufzeit das Instrument automatisch in den Besitz des Mieter übergeht.

10. Auf was dürfen sich die Kunden von WoF in den nächsten Monaten freuen?

Es ist eine derzeit echt spannende Idee, die mich da verfogt. Und zwar geht es darum, dass ich den jungen Leuten Liedgut für den mittelalterlichen Dudelsack zur Verfügung stellen möchte. Da erwarte ich, dass da in Zukunft ein übersichtliches Angebot entsteht, eine Sammlung an Liedgut, die jeder nutzen und für sich damit arbeiten kann.

11. Und die letzte Interviewfrage gehört Dir. Was möchtest Du Du den Lesern des Blogs noch mitteilen?

Ich möchte jeden, den die Musik berührt und der sich gerne mit der Musik auseinandersetzen möchte sagen: “Macht es!” Einfach tun. Einfach ein Instrument in die Hände nehmen und lauschen und schauen was passiert.

Vielen Dank für das interessante Interview, lieber Jonas. 😉

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