Dudelsackbauer Matthias Branschke gibt 3 wertvolle Tipps für Einsteiger

Matthias Branschke drechselt ein Teil für den Dudelsack

Matthias Branschke ist Instrumentenbauer aus Berlin. Sein Angebot umfasst Dudelsäcke nach französischem und schwedischem Vorbild. Gleichermaßen ist Matthias professioneller Musiker und Dozent auf Dudelsack-Workshops.

Für Folk.World gibt Matthias in seinem Gastbeitrag wertvolle Tipps für Dudelsack-Neulinge und angehende Dudelsackspieler.

Matthias Branschke, was ist Deine Motivation als Instrumentenbauer?

Ende der 90er im Alter von 12 Jahren habe ich angefangen Dudelsack zu spielen. Durch das Folk-Revival in den 1970er Jahren war das Dudelsack-Repertoire zu dieser Zeit vor allem französisch inspiriert. Ich hatte das Glück Unterricht bei Ralf Gehler zu haben, der sich als einer der ersten Dudelsackspieler in Deutschland mit unserer deutschen Tradition auseinandergesetzt hat. Er hat in mir den Wunsch geweckt diese Tradition neu zu entdecken und dabei meine eigene Kreativität einfließen zu lassen. Bis heute spiele ich vor allem neue Melodien von Kollegen und mir, und traditionelles Repertoire des deutschsprachigen Raumes.

Und Dudelsackbauer bin ich geworden, da ich am Dudelsack noch einiges an Potential sehe, welches man erst mal aus ihm herauskitzeln muss.

Matthias Branschke steht in der Tür seiner Dudelsackmanufaktur

Welche Dudelsäcke baust Du?

Ich baue zwei verschiedene Arten von Dudelsäcken.

Zum einen Instrumente mit konisch gebohrten Spielpfeifen und halbgeschlossener Griffweise. Diese besitzen einen für einen Dudelsack recht großen Tonumfang, nämlich anderthalb Oktaven und sind nahezu voll-chromatisch. Ich baue diese Instrumente in drei verschiedenen Designs, nämlich

  • als Schulinstrument bei dem das Instrument auf das wesentliche reduziert ist (ein Bordun, Anblasrohr, Spielpfeife, Sack und fertig)
  • als Schäferpfeife, ein historisches Design aus dem deutschen Sprachraum
  • und als dreiborduniges Instrument, bei dem ich alle Extras verbaue, die mir als Musiker auf der Bühne sinnvoll erscheinen. Das Modell läuft unter dem Namen „Sessionprotz“.

Außerdem baue ich schwedische Säckpipor (Mehrzahl von „Säckpipa“), ein Instrument mit zylindrischer Spielpfeifenbohrung und Aufschlagzunge in der Spielpfeife. Hierauf lässt sich „nur“ eine Oktave spielen, wobei die Säckpipa für mein Empfinden besonders für traditionelles Spiel geeignet ist.

Wie werde ich Dudelsackspieler?

Wenn jemand in die Welt des Dudelsacks einsteigen möchte, empfehle ich vor allem eines: Mit Leuten reden, die schon spielen. Eine gute Gelegenheit dazu sind Kurswochenenden, die es in Deutschland verteilt recht viel und regelmäßig gibt. Die Welt des Dudelsacks ist unglaublich vielseitig.

Wer also noch keine Ahnung hat welchen Dudelsack der vorhandenen 180 verschiedenen Typen (!) er spielen möchte, dem empfehle ich einen Anfängerkurs zu besuchen. Am flexibelsten für den Einstieg sind meiner Meinung nach Spielpfeifen mit halb-geschlossener „französischer“ Griffweise. Mit einem solchen Instrument anzufangen öffnet erst mal Türen. Umsteigen kann man dann immer noch, wenn man genau weiß wo die Reise hingehen soll.

Wer Dudelsack spielen möchte braucht vor allem eines: Geduld. Dudelsack zu spielen braucht im Prinzip dieselben Voraussetzungen wie jedes andere Instrument. Man muss üben, und hin und wieder sollte jemand kontrollieren ob man sich nicht Fehler antrainiert.

Leider ist die Dichte an Dudelsacklehrern bei weitem nicht so gut wie für klassische Instrumente. Allerdings gibt recht viele Kurse, und auch Unterricht via Skype ist mittlerweile eine gute Alternative. Dann heißt es nur noch üben, üben, üben.

Lasst euch nicht frustrieren, es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen, und mit 20 Minuten Üben pro Tag geht’s schnell voran.

Wie teuer ist Dudelsack spielen?

Ich denke alles unter 500 Euro für ein neues Instrument ist wahrscheinlich rausgeschmissenes Geld. Es gibt einige Hersteller die Instrumente in diesem Preissegment anbieten, doch das meiste ist „Made in Pakistan“ (kein Scherz) und funktioniert schlicht nicht. So richtig los geht es bei 1000 Euro, Luft nach oben ist natürlich immer. Am besten lässt man sich von einem Instrumentenbauer oder jemandem beraten der schon lange Dudelsack spielt.

Was man für Unterricht und Kurse ausgeben sollte hängt davon ab, wie viel Input man braucht. Wer die Chance hat einen Lehrer aus seiner Region zu besuchen sollte die Gelegenheit ergreifen. Meist geht’s da so bei ca. 30 Euro die Stunde los. Kurse – die auch als soziales Event nicht zu unterschätzen sind – kosten meist so 150 Euro aufwärts für ein Wochenende.

Welches Lehrwerk würdest Du empfehlen?

Es gibt nur wenige Lehrbücher für den Dudelsack auf dem Markt. Technisch gut, wenn auch eigentlich für einen französischen Spielstil ausgelegt und daher durchaus empfehlenswert ist „Dudelsack spielen“ von Bernard Boulanger. Wer sich technisch etwas breiter aufstellen möchte findet einiges für Schottischen Dudelsack und andere „insulare“ Dudelsacktypen im englischsprachigen Raum, aber außer dem Buch von Boulanger gibt es meines Wissens kein weiteres Lehrwerk für die Dudelsacktypen, die ich baue.

Musiker Matthias Branschke spielt das Schulmodell seiner Schäferpfeife

Kommt der Dudelsack aus der traditionellen Musik?

Der Dudelsack ist das Instrument der traditionellen Musik in fast ganz Europa bis ins 18. Jahrhundert gewesen. Auf ihm ist sozusagen die Discomusik der Zeit gespielt worden. Klar, die Menschen wollten schon immer tanzen, und ein Dudelsack kann sich auch alleine gut akustisch durchsetzen, damit hält man bei einem Tanzabend die Kosten klein, braucht nur einen Musikanten und schon kann die Party steigen. Daher ist der Dudelsack untrennbar mit traditioneller Musik verbunden.

Gibt es Noten für traditionelle Dudelsackmusik?

Alles was es an Quellen mit traditioneller Musik gibt, ist von Geigern aufgeschrieben worden. Daher passen die Stücke oft nicht direkt auf den Dudelsack. Mit ein bisschen Geschick lassen sich viele Melodien anpassen. Wenn man sich auf die Reise begeben möchte kann ich ein bisschen musiktheoretische Grundlage durchaus empfehlen. Ein Kreis von Leuten mit denen ich recht gut befreundet bin haben sich mit dem Thema intensiv auseinandergesetzt. Wer da mal reinschnuppern möchte: Tanzmusikarchiv

Was möchtest Du uns mit auf den Weg geben?

Traut euch! Wenn Dich der Dudelsack interessiert, solltest Du ihm eine Chance geben und das Instrument
ausprobieren. Die Welt des Dudelsacks ist unglaublich faszinierend und vielseitig und damit auf jeden
Fall eine musikalische Reise wert.


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Ein Gedanke zu „Dudelsackbauer Matthias Branschke gibt 3 wertvolle Tipps für Einsteiger

  1. […] http://www.vivienzeller.de/ interessiert sich für deutschen Trad, seit sie Musik macht. Matthias Branschke5Musiker und Instrumentenbauer aus Wittenberg, www.dudelsackmanufaktur.de entdeckte als […]

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