„The Archer’s Parade“ von Enter The Haggis: Canadian Celtic rockt!

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Was machen Musiker in Zeiten, in denen sie nicht auf die Bühne dürfen? Sie machen das Beste draus. Die kanadischen Celtic-Rocker von Enter the Haggis veröffentlichten nach mehrjähriger Kreativpause Ende März ihr Album „The Archer’s Parade“. Jetzt im September hat die Band ihre Platte offiziell vorgestellt.

Brian Buchanan und Trevor Lewington präsentieren die 10 neuen Songs auf ihrer Facebook-Seite in Form einer Online Listening Party. Begleitet von den Posts zahlreicher Haggis Heads. Für Folk.World war das der perfekte Anlass, die Band für eine Folk Review zum Interview zu bitten.

„Enter The Haggis“ – Roots Rock mit schottischen Akzenten

Haggis Heads – so nennen sich seit über zwei Jahrzehnten die weltweiten Anhänger der Celtic Rocker aus Toronto. „Enter The Haggis“ existiert bereits seit 1995 und wurde von Craig Downie gegründet. Die Eltern des gebürtigen Schotten wanderten mit dem erst Siebenjährigen nach Kanada aus. Doch der Junge blieb den Klängen seiner Heimat treu, erlernte das komplexe Spiel der Highland Bagpipes und trommelte in den Neunziger Jahren seine ersten Bandkollegen zusammen. Haggis ist übrigens Schottlands deftiges Nationalgericht schlechthin. Wen wundert es, dass Craig Downie sich zum Bandnamen inspiriert fühlte?

Album "The Archer's Parade" von Enter The Haggis
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Schon mit kultig groovigen Folk-Rock Songs wie „One Last Drink“ entführten die Kanadier ihre gut gelaunten Fans in die Welt der Highlands und schottischen Pubs. Fast alle Songs vergangener Alben haben einen gemeinsamen Nenner: der mitreißende Rhythmus begleitet vom melodiösen Spiel der Violine und Bagpipe. Beeinflusst von unterschiedlichen Rockbands wie den Beatles, Led Zeppelin, Radiohead oder den Smashing Pumpkins entwickelten „Enter The Haggis“ ihren eigenen unverkennbaren Stil.

Das Celtic-Rock-Quintett besteht aktuell aus Craig Downie (Highland Bagpipes, Gesang), Trevor Lewington (Gitarre, Gesang), Brian Buchanan (Violine, Gitarre, Gesang), dem Bassisten Mark Abraham und dem Schlagzeuger Bruce McCarthy.

„The Archer’s Parade“ – Einzigartiger Schaffensprozess

Die Statements auf der Facebook-Seite und das Interview mit der Band verdeutlichen den einzigartigen Entstehungsprozess von „The Archer’s Parade“.

Denn das aktuelle Album unterscheidet sich in mehrfacher Hinsicht von seinen Vorgängern. So wurden die bisherigen Konzeptalben jeweils in gebuchten Studios eingespielt. Die Songs auf „The Archer’s Parade“ entstanden dagegen in einem Zeitraum von drei Jahren und wurden unter anderem auf Tourneen in Hotelzimmern oder im Tourbus aufgenommen. Die unterwegs gemachten Demos mischte der Schlagzeuger Bruce McCarthy zum großen Teil selbst. Seine Parts hatte er zuvor in seinem Studio eingespielt. Bei den Titeln „Into The Lion’s Den“, „Western Shore“ und „The Split Crow Bar“ übernahm ein Freund der Band, Zach McNees, den letzten Schliff.

Thematisch und musikalisch wird „Enter The Haggis“ zunehmend vom authentischen Roots Rock inspiriert. Künstler wie Bob Dylan, Van Morrison und Ryan Adams hinterließen auf „The Archer’s Parade“ ebenso ihr hörbares Erbe wie die zeitgenössischen Gruppen „Blue Rodeo“ und „The Jayhawks“.

Wie die Band Folk.World gegenüber verriet, handelt es sich bei „The Archer’s Parade“ um exklusive Lieblingssongs, die aus einer längeren Liste ausgewählt wurden. Aus meiner Sicht ein vielversprechender Garant für Qualität.

„The Archer’s Parade“ – meine persönliche Folk Review

„Enter The Haggis“ hat im Interview nicht zuviel versprochen. Die 10 unterschiedlichen Songs überzeugen mit ehrlichen Texten und einem ausgefeilt experimentierfreudigen Crossover-Mix.

Melancholische Country- und Folk-Balladen („Gone“, „Whippoorwill“) und schnörkellose Hardrock-Titel wie „Western Shore“ stehen im reizvollen Gegensatz zueinander. „Western Shore“ ist ein puristischer Rock-Song, der vom leicht angerauten Gesang des Schotten Craig Downie und dessen dynamischem Bagpipe-Spiel lebt.

Das Album beginnt mit dem titelgebenden Stück „The Archer’s Parade“, das mit schnellen Folk-Rhythmen und aufständischem Text wie ein Protestsong anmutet. Die energische Bagpipe unterstreicht den trotzigen Inhalt. Weitere Gesellschaftskritik enthalten vor allem „Dryden Mine“ und „Shangri La“. In „Dryden Mine“ geht es um einen jugendlichen blinden Arbeiter, der sich stoisch mit seinem harten Leben unter Tage arrangiert. Musikalisch ist der Song dem Irish-Folk-Rock zuzuordnen, in dem das begleitende Spiel von Banjo und Violine prägend sind.

„Shangri La“ handelt von der gewalttätigen Natur des Menschen, die einen Frieden per se nicht möglich macht. Dennoch vermittelt der Song einen hoffnungsvollen Appell an die Toleranz. Der reine Country-Song im Skiffle-Rhythmus verzichtet auf jeglichen Folk-Einfluss und begeistert mit einer Mundharmonika-Begleitung a la Bob Dylan.

Mein Favorit ist „Into the Lion’s Den“. Der Rock-Song besticht durch komplexen Rhythmus, pointiertes Schlagzeugspiel, dominante Violinensoli und harmonischem Chorgesang. Die Fanfarentöne des Moog Slim Phatty setzen dabei frische elektronische Akzente und erinnern ein wenig an die 70er Jahre.

„Enter The Haggis“ – ein Ausblick

„The Archer´s Parade“ stellt eindrucksvoll unter Beweis, dass „Enter The Haggis“ experimentierfreudiger geworden ist. Nicht mehr jedem Song ist der Celtic-Einfluss anzuhören, was reine Country-Songs wie „Shangri La“ verdeutlichen. Wie Trevor Lewington auf der Facebook Listening Party andeutet, geht die Richtung in mehr Individualität. Zeitgenössische Einflüsse werden für die Band immer eine Rolle spielen. Haggis Head – Du darfst Dich freuen!

„The Archer’s Parade“ in Zeiten von Corona

Aufgrund der Corona-Krise hat „Enter The Haggis“ die Album-Release-Tour abgesagt. Viele Festival-Konzerte im Sommer wurden komplett gestrichen oder verschoben. Leider geht dies nicht immer eindeutig aus dem Tour-Kalender hervor, der auf der Website der Band veröffentlicht ist.

Solange präsentieren die Kanadier ein lohnenswertes Alternativprogramm. Als Ende März die Listening Party für „The Archer’s Parade“ online ging, waren die Haggis Heads so begeistert, dass auch für die vorangegangenen Alben Listening Partys veröffentlicht wurden.

„Enter The Haggis“ für die Folk Review: „Es sind schwierige Zeiten, aber wir versuchen, das Beste daraus zu machen, und wissen zu schätzen, dass wir uns in einer besseren und sichereren Situation befinden als viele Menschen auf der ganzen Welt.“


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