Damit Sackpfeifen gut funktionieren und um einen gleichbleibenden Sound zu gewährleisten ist regelmäßige und solide Wartung des Instruments unerlässlich. Ein wichtiger Teil der Arbeit ist das “hanfen” des Dudelsacks (aus dem engl. “to hemp”). Die Verbindungen der Pfeifen müssen gut gewickelt sein, so dass sie fest und luftdicht aber beweglich zugleich sind.

Wie Du “Bagpipe Hemp” zum Abdichten Deines Dudelsacks anwendest, wird im englischsprachigen Internet gut geschildert. Auf deutschen Seiten findest Du eher Glaubenskriege in einschlägigen Fachforen. Folk.World möchte damit aufräumen und Fakten schaffen.

Besserer Sound durch gutes Hemp

Unterm Strich ist für Dich wichtig, egal mit welcher Methode Du Dein Instrument wartest: Gute Arbeit bei der Wicklung zahlt sich mit besserem Sound und mehr Freude am Instrument aus. Je luftdichter und gleichmäßiger die Wicklungen sind, desto weniger wird der Schall geschluckt. Doch Vorsicht, nicht nur gute Arbeit entscheidet, sondern auch richtig eingesetztes Material.

Dudelsack Zeichnung in schwarz-weiss
Gezeichneter Dudelsack (Foto: Aleksandr Zherlitsyn auf Pixabay)

Erfahrene Dudelsackspieler haben den Unterschied bemerkt. Gewachstes Hemp erstickt den Sound und schluckt die Resonanz. Bei Verwendung an falscher Stelle werden die Schwingungen der beiden Einzelteile eines Borduns geschluckt und nicht aufeinander übertragen. Auch Folk.World hat den Unterschied getestet und kann diese These bestätigen. Einen klaren Ton und gute Resonanz erhältst Du durch Verwendung von ungewachstem Hemp. Es sind jedoch weiterhin auch das gewachste Hanfgarn wichtig. Wann Du welches Hemp verwendest erfährst Du in den nächsten Abschnitten dieses Artikels.

Materialkunde: Hanf, Flachs oder Baumwolle?

Hemp bedeutet Hanf und sollte eigentlich aussagen, woraus das Garn besteht, mit dem Du die Steckverbindungen von Reeds, Drones und Chanter luftundurchlässig abdichtest. Korrekter Weise müsste das Garn für die Wicklungen des Dudelsacks heute “Bagpipe Linen” heißen und die traditionelle Bezeichnung “Bagpipe Hemp” ablösen, doch Tradition ist beständig.

Hemp ist das feine Zwirn, das Dudelsackspieler nutzen um Bordunpfeifen und die Spielpfeife luftdicht miteinander zu verbinden. Vor langer Zeit wurde dazu echte Hanffaser verwendet. Mit der Zeit wurde der Anbau von Hanf aufgrund der Verwechslungsgefahr mit stark THC-haltigem Cannabis erschwert und andere Naturfasern wie Lein oder Baumwolle traten in den Vordergrund. Anstatt echtem Hanfgarn wird also heute Lein, auch Flachs genannt, genutzt. Genauso wie Hanf besteht der Faden aus langen sogenannten Bastfasern und ist somit reißfester und widerstandsfähiger als die kurzen unverbundenen Einzelfasern der Baumwolle.

Wasseraufnahme von Bagpipe Hemp

Baumwolle hat zudem noch einen weiteren Nachteil. Es nimmt mehr Wasser auf als Flachs und kann dadurch stärker quellen. Aus diesem Grund solltest Du “Hemp” aus Flachsfaser nutzen.

Doch auch ungewachstes Hemp quillt bei Feuchtigkeitsaufnahme leicht auf. Beim Trocknen kann es sogar stärker schwinden, als in seinem Ursprungszustand. Die Wicklung wird mit der Zeit lockerer.

Gewachst oder ungewachstes Dudelsack Hanf

Und damit Bagpipe Hemp kein Wasser aufnehmen kann und somit am Quellen und Schwinden gehindert wird, kommt Wachs ins Spiel um den Faden zu imprägnieren.

Gewachstes Hemp ist wasserfest. Das bedeutet, es quillt bei Feuchtigkeit nicht auf. Dadurch bleibt die Wicklung beständig und Du musst mit keinen Spannungen rechnen. Gewachstes Hemp nutzt Du wenn die Wicklungen festen Sitz haben soll. Bevorzugte stellen sind die Blowpipe, die Zapfen der Drone Joints in den Stocks und der Chanter – also alle Verbindungen, die festen Sitz haben sollen und wenig verändert werden.

Ungewachstes Dudelsack Hemp hingegen bietet den Vorteil, dass es ein leichtgängiges Verstellen der Verbindungen möglich ist. Die Drone Tops profitieren hiervon, da sie zum Stimmen der Drones über die Stimmzapfen durch leichtes Drehen hinaus oder hinein geschoben werden. Zudem befindet sich an den äußeren Bestandteilen des Dudelsacks tendenziell weniger Kondenswasser im Vergleich zum Anblasrohr und übrigen den Sack nahen Bestandteilen. Die Gefahr des Quellens von Garn ist dadurch geringer.

Für Dudelsackspieler ist das gewachste und ungewachste Hemp gleichermaßen wichtig. Während Waxed Hemp fest sitzt, lässt es weniger Bewegung zu. Ungewachstes Hemp nimmt dagegen Feuchtigkeit auf, ermöglicht aber eine leichtere Beweglichkeit der Verbindungen. Die meisten Piper nutzen das “Yellow Unwaxed Bagpipe Hemp” und das “Black Waxed Bagpipe Hemp”.

Nahansicht von buntem Hempen
colored linen thread von Hilke Kurzke auf flickr.com (CC BY-SA 2.0)

Black oder Yellow Hemp

Dass der Unterschied zwischen gelbem und schwarzem Dudelsack Hemp vor allem die Farbe ist, sollte klar sein. Sie könnten auch jede andere Farbe haben, je nachdem, wie die Naturfaser vom Hersteller eingefärbt wurde. Mit der Zeit haben sich unter den Dudelsackspielern zwei Farben herauskristallisiert: Schwarz und Gelb. Möglicherweise ist der Grund dafür in erster Linie die Unterscheidung zwischen gewachstem und ungewachstem Garn. Denn meist ist gewachstes Hemp schwarz und ungewachstes gelb zu kaufen.

Schusterpech

Wir reden heute meist über den bereits fertig gewachsten Hanffaden. Doch traditioneller Weise hatte der Dudelsackspieler eine Spule ungewachstes Hanfgarn, ein Stück Bienenwachs und ein Stück Schusterwachs in der Hand. Schusterwachs ist ein Gemisch aus Bienenwachs und Harz und hat dadurch klebrige Eigenschaften. Der Dudelsackspieler zog den Hanffaden über das Stück Bienenwachs und den Anfang des Fadens über Schusterwachs. Der so präparierte Faden haftete durch das Schusterpech besser am Tenon. Puristen bevorzugen diese Art der Wicklung noch heute. Das Hemp selbst zu wachsen ist allerdings viel Arbeit und somit nutzen die meisten Dudelsackspieler gerne das fertig gewachste Garn.

Gerätekunde – Where to hemp the bagpipe

Die Bestandteile eines Dudelsacks hat Folk.World in einem anderen Artikel beschrieben. Mit dem Hanfgarn wollen wir nun die Wicklung des Drone Joints, des Chanters sowie des Anblasrohrs erneuern. Die ins Leder eingebundenen Stocks interessieren uns hierbei nicht. Das ist ein anderes Kapitel und sollte am besten vom Instrumentenbauer selbst durchgeführt werden.

Das Tenon

Der im englischsprachigen Raum verwendete Begriff “Tenon” bezeichnet die breite Vertiefung am Zapfen des jeweiligen Bauteils vom Dudelsack. In diese Mulde wickelst Du Bagpipe Hemp gewickelt um die Drones, den Chanter und das Anblasrohr luftdicht mit den Stocks zu verbinden. Der Kanal erleichtert die Hempwicklung und verhindert ein Verrutschen der Dichtung.

Hemp gehört auf das Dudelsack Tenon
Die breite Furche mit Rillen im Holz am Zapfen des Drone Joints nennt man im Englischen „Tenon“. (Foto: Folk.World)

Fest vs. beweglich

Du hast gelernt, dass Hemp Wasserdampf aufnehmen kann und anhand dessen unterschieden wird, ob gewachstes oder ungewachstes Hemp verwendet wird, möchte Folk.World noch eine weitere Unterscheidung schildern.

Denn wo sich alle einig sind: Die oberen Sektion der Drones muss beweglich bleiben zum Stimmen. Die untere Sektion muss fest sitzen und darf sich beim Stimmen nicht lockern oder mitbewegen. Sitzen die Drone Joints zu locker in den Stocks, drehen sie sich beim Stimmen mit oder lösen sich vollständig aus dem Stock.

Die Wicklungen müssen fest und luftdicht sein, aber trotzdem noch so beweglich, dass sie einhändig stimmbar sind. Die Drone Tops sollen locker genug sitzen um die mit zwei Fingern und Daumen stimmen zu können, aber nicht so lose, dass sie Wackeln, sich selbst verschieben oder Luft verlieren. Die Joints in den Stocks sollten fest sitzen.

Ungewachstes Hemp hat eine gleitendere Oberfläche als gewachstes. Darum nimmt man gerne ungewachstes Hemp für die beweglichen Teile, also Stimmzüge. Die festen Teile werden mit gewachsten Hemp fest miteinander verbunden. Glücklicherweise kommt die Unterscheidung zwischen festen und beweglichen Teilen der Unterscheidung von feuchteren und trockeneren Regionen des Dudelsacks gleich.

Eine Anleitung

Mit diesem Wissen übermöchtest Du nun sicher zur Tat schreiten und die Wicklungen an Deinem Dudelsack erneuern. Eine detaillierte Anleitung hat Folk.World für Dich auf diesem Blogbeitrag bereit gestellt:

1 Gedanke zu „Materialkunde: Was ist Bagpipe Hemp?

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